Unterstützt von gregorianischen Gesängen

Prominenter Besuch in Kaufungen: Gloria von Thurn und Taxis las beim Kultursommer

Knapp 500 Gäste ließen sich gestern Abend den prominenten Besuch im Kaufunger Bürgerhaus nicht entgehen: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis rezitierte im Rahmen des Kultursommers Nordhessen Texte von der Heiligen Hildegard von Bingen.

Unterstützt wurde sie dabei von gregorianischen Gesängen der Chorschola Kalophonia. Hildegard von Bingen war eine Gelehrte im 12. Jahrhundert: Sie war Künstlerin, Heilerin, Wissenschaftlerin und Visionärin zugleich. 

Viel Zeit nach ihrem Auftritt blieb Fürstin Gloria nicht: Sie fuhr danach direkt zurück nach Regensburg. Dort eröffnet sie heute Abend die „Thurn und Taxis Schlossfestspiele“. 

Eine Punklady wird christlich: Unsere Reportage

Gloria von Thurn und Taxis fühlt sich im Rampenlicht pudelwohl. Das merkten vor allem die Zuschauer, die am Donnerstagabend ins Bürgerhaus gekommen waren. Die Fürstin rezitierte Texte und Schriften der heiligen Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen (1098-1179).

Ein Mann vom Sicherheitsdienst, der sich am Eingang des Bürgerhauses in Position gebracht hatte, deutete bereits darauf hin, dass ein besonderer Gast im Bürgerhaus auf der Bühne stand. Während sich der Saal füllte, wurde das Gemurmel unter den Gästen lauter.

Ulrike und Klaus-Peter Saake aus Kassel waren ein bisschen enttäuscht, dass die Veranstaltung wegen Sanierungsarbeiten nicht in der Stiftskirche stattfinden konnte. Dennoch fand das Ehepaar den Gesamtkontext interessant. „Früher war sie die Punklady, heute lebt sie den katholischen Glauben und wirkt sehr konservativ, was sehr gut zu der Lesung passt“, sagte Klaus-Peter Saake. Auch seine Ehefrau fand es spannend, die Adlige mal live zu sehen. „Bisher kannte ich Gloria nur aus bunten Magazinen“, verriet sie.

Die Lesung vermischte sich mit gregorianischen Gesängen der Chorschola Kalophonia. Besucherin Inge Tanke (66, Lohfelden) war mit Erika Stobbe (71, Fuldabrück) und Heide Knigge (75, Kassel) gekommen. Sie seien neugierig, wie die Fürstin die Schriften der Hildegard von Bingen vorträgt, sagten die drei Damen vor der Veranstaltung. Genau wie Hildegard von Bingen sei auch Gloria von Thurn und Taxis emanzipiert, selbstbewusst und hätte schon vieles in ihrem Leben bewerkstelligt, stellten die drei Besucherinnen fest.

Auffällig war, dass sich überwiegend Frauen für die Lesung interessierten. In manchen Reihen saß kein einziger Mann. Auch die Freundinnen Heike Kessler-Wiegand (56, Naumburg) und Margot Gorissen (61, Kassel) waren dabei. „Ich finde vor allem die Kombination des Themas und der Fürstin sehr interessant“, sagte Gorissen. Als Fürstin Gloria von Thurn und Taxis gemeinsam mit der Chorschola Kalophonia durch den Saal schritt, wurde es abrupt ruhig im Bürgersaal. Muchsmäuschenstill verfolgten die Gäste jeden Schritt und jedes Wort.

Trotz Handy- und Fotoverbots machten einige der Gäste heimlich Aufnahmen. Bei manchen Zitaten gab es verhaltenes Gelächter und kaum wahrnehmbares Getuschel im Saal. Dafür wollte der Applaus am Schluss nicht enden. Ein tolles Zusammenspiel seien die Gesänge in Kombination mit der Lesung gewesen, sagte Kessler-Wiegand nach der Veranstaltung. „Gloria hat heute jede Menge Glanz nach Kaufungen gebracht“, sagte Maren Matthes, Geschäftsführerin und Intendantin vom Kultursommer Nordhessen. Auch Erste Beigeordnete Doris Bischoff war begeistert. Die Fürstin sei eine ganz natürliche Person, die sie tief beeindruckt hätte.

Rubriklistenbild: © Fischer

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