Grimmsteig-Route: Den Brüdern Grimm auf der Spur

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Der Grimmsteig: Ein weißes G auf grünem Grund, das die Köpfe von Jacob und Wilhelm Grimm zeigt, gibt Wanderern Orientierung auf dem mehr als 80 Kilometer langen Rundweg.

Nieste/Kaufungen. Der mehr als 80 Kilometer lange Grimmsteig-Wanderweg führt dorthin, wo die Märchen der Brüder Grimm gespielt haben könnten.

Klar, wir haben in der Schule gelernt, dass Märchen nicht an bestimmten Orten spielen. Doch hier, auf diesem einsamen Pfad in der Söhre irgendwo bei Wattenbach, kann man sich schon vorstellen, wie das war, als der böse Wolf das Rotkäppchen überraschte. Ein paar Kilometer weiter, an der Burgruine Reichenbach, gibt es wieder so eine Assoziation: Könnte Rapunzel nicht hier sein Haar von dem steinernen Turm heruntergelassen haben? Und dann der Hohe Meißner. Man sieht Frau Holle vor sich, wie sie die Betten ausschüttelt und dem nordhessischen Mittelgebirge den Winter bringt.

Der Grimmsteig bringt Wanderer seit einigen Jahren an zahlreiche Plätze, an denen die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm gespielt haben könnten. Jacob und Wilhelm Grimm, die die Geschichten in ihrer Kasseler Zeit sammelten, begleiten einen dabei auf Schritt und Tritt.

Wer nicht - wie das Rotkäppchen - vom rechten Weg abkommen will, der muss dem weißen G auf grünem Grund folgen. Die Schilder mit dem Antlitz der Märchensammler hängen überall an den Bäumen entlang der gut 80 Kilometer langen Strecke.

Lexikon-Wissen:

Alles zum Grimmsteig finden Sie im Regiowiki.

Wer die Landschaft rechts und links des Steigs intensiv erleben will, dem empfiehlt die eigens für die Vermarktung des Wanderwegs gegründete Grimmsteig-Touristik fünf Tagesetappen: Die kürzeste ist zwölf, die längste knapp 18 Kilometer lang. Die Vermarkter mit Sitz in Nieste bieten inzwischen maßgeschneiderte Programme an, kompetente Führung, Übernachtungen und Gepäcktransfer inklusive. „Das Programm wird hervorragend angenommen“, sagt Grimmsteig-Geschäftsführer Helmut Lippert.

Selbst bis ins Ausland hat sich das Angebot bereits herumgesprochen. „Wir haben großen Zuspruch bei Holländern und Belgiern“, berichtet Lippert. Vor zwei Jahren haben er, der Kaufunger Horst Hoffmann und viele andere Freiwillige aus den Anrainerkommunen des Wanderwegs die Grimmsteig-Tage auf die Beine gestellt.

Bis zur Eröffnung der Grimmwelt (4. September) veröffentlichen wir regelmäßig Beiträge zum Leben und Werk der Brüder Grimm.

Sportlich ambitionierte Wanderer können seither jeweils am letzten Juni-Wochenende den Grimmsteig an einem Stück erwandern. Die Schnellsten brauchen dafür gerade mal rund zwölf Stunden. Für die große Mehrheit indes ist der Weg das Ziel - ob auf der vollen Distanz oder auf den Teilstrecken über 42, 25 oder 14 Kilometer.

Auch die Brüder Grimm schreckten vor langen Distanzen zu Fuß nicht zurück, weiß Grimmforscher Prof. Dr. Holger Ehrhardt von der Universität Kassel. Für die HNA hat der Experte einschlägige Tagebuchstellen herausgesucht. So schreibt Jacob Grimm unter dem 24. Juni 1819:

„Morgens über Kaufungen, Helsa, Wickenrode, Großalmerode, Ingsterode (...) auf den Meißner ins Schwalbenthal eine Fußreise gemacht (...).

Die Wanderung, die wohl eher ein Gewaltmarsch war, dauerte drei Tage. Am dritten Tag ging es den Aufzeichnungen zufolge „von Allendorf über Cammerbach nach Großalmerode und heim nach Caßel“.

Informationen über den Grimmsteig im Internet unter www.grimmsteig.de 

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