Mit Leib und Seele

Seit 40 Jahren: Herbert Opper ist sein halbes Leben lang Schöffe

Er hat sein Büro zu Hause: Herbert Opper (80) ist seit 40 Jahren Ortsgerichtsschöffe in Fuldabrück-Dörnhagen. Foto: C. Hartung

Fuldabrück. Herbert Opper ist seit 40 Jahren Ortsgerichtsschöffe in Fuldabrück-Dörnhagen. In dieser Zeit hat er einige Kuriositäten erlebt.

Pünktlich um 18 Uhr klingelt es an Herbert Oppers Haustür. „Das sind zwei Kunden, denen soll ich eine Unterschrift beglaubigen“, sagt der 80-Jährige. Ist die Arbeit erledigt, dokumentiert er alles feinsäuberlich im Tagebuch. „Narrenfreiheit habe ich hier nicht. Wir Schöffen werden vom Amtsgericht geprüft.“

Herbert Opper ist seit 40 Jahren Ortsgerichtsschöffe in Fuldabrück-Dörnhagen. „Bürgermeister Bialecki meinte damals, dass das der richtige Job für mich sei.“ Und er täuschte sich nicht: Bis heute ist Opper mit Leib und Seele Ortsgerichtsschöffe. „Meistens kommen die Leute zu mir, um Unterschriften beglaubigen zu lassen oder um einen Sterbefall anzuzeigen“, sagt der Rentner über seinen Job.

Gerade bei letzterer Aufgabe sei er auch öfter mal nicht nur Schöffe, sondern auch Tröster zugleich. „Manchmal ist es sehr emotional. Vor allen Dingen auch, weil ich meist die Verstorbenen kannte“, berichtet Opper, der zwei Enkelkinder hat und seit 33 Jahren als Witwer alleine wohnt.

Zwischen 2001 und 2014 erledigte Opper fast 1200 Angelegenheiten als Schöffe. „Manchmal hat man drei Termine in der Woche. Dann kommt zwei Wochen lang wieder gar niemand“, sagt der 80-Jährige, der früher bei AEG beschäftigt war.

Wer eine Unterschrift beglaubigt haben möchte oder zum Beispiel aus der Kirche austreten will, ruft einfach bei Herbert Opper an und vereinbart einen Termin bei ihm zu Hause.

Dort hat sich der Rentner nämlich ein kleines Büro eingerichtet, in dem auf seine Kunden ein gemütliches Sofa wartet. „Wenn jemand zu mir kommt, dann wird der Fall auch umgehend erledigt.“ Damit er mit den Gesetzen immer auf dem neuesten Stand ist, wird Opper regelmäßig vom Amtsgericht geschult.

Was auch zu seinen Aufgaben gehört, ist die Sicherung von Nachlässen. Und das sei manchmal ganz schön unangenehm: „Einmal sollte ich aus einem Haus die Wertgegenstände holen, in dem ein Toter schon vier Wochen lang lag.“ Die Fliegen seien ihm schon entgegen gekommen, als er nur die Haustür öffnete. „So etwas kommt aber zum Glück nur sehr selten vor.“ Dass sich Herbert Opper nun seit so vielen Jahren ehrenamtlich als Schöffe engagiert, ist für ihn selbstverständlich. „Für mich ist Engagement eine Verpflichtung. Wir erwarten so viel von der Gesellschaft, aber wir müssen auch etwas geben.“ Außerdem könne man nur mit eigenem Engagement auch etwas bewegen.

Von Carolin Hartung

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