Rettungsaktion des Nabu 

Hunderte Hirschkäfer in Kaufungen gerettet

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Der Hirschkäfer ist die größte heimische Käferart. Seine Larven fressen fauliges Eichenholz. Sie brauchen bis zu acht Jahre, um sich zu entwickeln. Dieses gelungene Foto eines Hirschkäfermännchens schoss HNA-Leser Karlheinz Otto aus Bad Hersfeld.  

Kaufungen. Der Nabu Kaufungen-Lohfelden hat ganze Arbeit geleistet und eine ebenso ungewöhnliche wie aufwendige Rettungsaktion für Hunderte Hirschkäfer gestartet.

Sie sind gelblich-weiß, fingerdick, bis zu elf Zentimeter lang und überhaupt nicht schön. Aber sie sind rar wie Gold – und deshalb streng geschützt.

Die Leute vom Nabu Kaufungen-Lohfelden wissen das, und so haben sie eine ebenso ungewöhnliche wie aufwendige Rettungsaktion gestartet.

Die Rede ist von Hirschkäfern, besser gesagt von ihren Larven. Schon seit einiger Zeit fressen diese sich unbemerkt durch eine alte Holz-Palisade, die auf dem Gelände der Kommune Kaufungen einen großen Sandkasten umfriedet. Weil die maroden Rundhölzer ihren Zweck nicht mehr erfüllten, sollten sie ausgetauscht werden.

Doch siehe da: Die mürben, etwa einen Meter langen Holzteile waren voll der seltenen Engerlinge des Hirschkäfers. Kurzerhand wurde der Sachverstand des Nabu herbeigeholt und ein Rettungsplan geschmiedet.

In diesen Rundhölzern, die zuvor einen großen Sandkasten einfassten, befinden sich die Hirschkäfer-Engerlinge. Inzwischen wurde sie andernorts wieder eingegraben.  

„Wir wissen selbst nicht, wie viele Larven in dem Holz leben, möglicherweise einige Hundert“, sagt Connie Tröndle, eine der Mitorganisatoren der Rettungsaktion, die auch mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises abgestimmt ist. „Aber immerhin ging es um 150 Eichenholz-Stücke, die allesamt Fraßspuren aufwiesen. Aus einigen Stücken fielen die Engerlinge sogar richtig heraus“.

So wurden schon am vergangenen Freitag die ersten 40 Hölzer aus dem Boden gezogen, auf einen Anhänger deponiert und mit einer Plane vor Austrocknung geschützt.

Die Hirschkäfer-Larven und ihr neues Zuhause. An insgesamt drei geeigneten Stellen in Niederkaufungen haben die Nabu-Mitarbeiter die Eichen-Rundhölzer wieder eingegraben. Das Bild zeigt Sabine Löwer vom Nabu Kaufungen-Lohfelden mit einem Engerling in den Händen.  

Tags drauf ging es dann auf das Gelände der Steinertseebahn. „Dort haben wir das Holz in Südhanglage wieder eingegraben und mit Sand und Erde verfüllt“, sagt Tröndle. „Denn das mögen die Larven am liebsten“. Mitgeholfen hatte dabei auch Bauunternehmer Burkhard Werner aus Kaufungen mit einem Kleinbagger.

Derweil waren in der Kommune Kaufungen 75 weitere Palisaden-Hölzer ausgebuddelt worden. Sie fanden ihren Platz in einem zweiten Loch unweit des Nabu-Info-Zentrums am Steinertsee. „Beide Standorte befinden sich in halbsonniger Südlage an einem Eichenwäldchen, in dem auch 100-jährige Bäume zu finden sind“, sagt Tröndle. Alte Eichen seien nun einmal die Lieblingsspeise der Hirschkäfer.

Blieben zunächst 35 Holzteile übrig. Wohin damit? Nach einiger Suche fand sich noch eine Lösung ebenfalls an einem sonnigen Südhang nahe der Kirche in Niederkaufungen. „Dort haben wir die Hölzer direkt an einer alten umgefallenen Eiche eingegraben. Die Laven können dann in den alten Eichenstamm übersiedeln“.

Tröndle und ihre Mitstreiter sind froh, dass sie mit ihrer Aktion viele Hirschkäfer gerettet haben. Daran beteiligt waren letztlich sechs Nabu- und vier Kommune-Mitglieder sowie Mitarbeiter und Kinder der Kita „Die Wühlmäuse“. „Im Fernsehen sieht man die Rettung gestrandeter Wale, die Feuerwehr holt verirrte Katzen von Dächern – und wir in Kaufungen retten eben auch mal Hirschkäfer“, sagt Tröndle.

Hirschkäfer: Ein seltener Holzverwerter 

Der Hirschkäfer ist die größte heimische Käferart. Die Männchen sind an ihrem typischen „Geweih“ zu erkennen. Bei dem Geweih handelt es sich um die stark vergrößerten Oberkiefer. 

Die Weibchen legen etwa 20 Eier bis zu 75 Zentimeter tief in den Boden an die Wurzeln von toten oder kranken Bäumen. Die Larven entwickeln sich in Wurzeln, Stämmen und Stümpfen, brauchen jedoch durch Pilzbefall zermürbtes Totholz, insbesondere das von Eichen. Die Larve (Engerling) benötigt bis zu acht Jahre, um sich zu entwickeln. Die nach der Verpuppung schlüpfenden Käfer leben nur drei bis acht Wochen lang. 

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Der Hirschkäfer ist in der Roten Liste Deutschlands als „stark gefährdet“ eingestuft. Zudem wurde ihm gesetzlicher Schutz gemäß der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie eingeräumt. Sein Bestand hat in Mittel- und Südeuropa in den vergangenen Jahren stark abgenommen. Ursache dafür ist das Verschwinden geeigneter Lebensräume wie großer Eichenbestände mit hohem Alt- und Totholzanteil. 

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