Rentnerin schreibt Kinderbücher - Erlöse gehen an Hilfswerk

Ihre Bücher kommen von Herzen: Otti Meyer (80) hilft armen Kindern

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Hat einen ganzen Strauß Ideen im Kopf, wie sie sagt: Otti Meyer (links) hilft mit ihren Büchern, Geld für arme Kinder zu sammeln. Ihre Freundin Monika Raacke engagiert sich ebenfalls für das Kinderhilfswerk Plan. Die beiden werden von einer weiteren Freundin unterstützt. 

Kaufungen/Helsa. Wenn Otti Meyer (80) Geschichten erzählt, scheint sie ganz weit weg zu sein. Ihre Augen glänzen, ihr Blick geht in die Ferne und auch der Zuhörer bekommt das Gefühl, sich mitten im Geschehen zu befinden. In den Texten der Rentnerin aus Kaufungen geht es um das Fremdsein, Toleranz, Freundschaft und die Vielfalt der Welt. Ab sofort gibt es zwei Bücher mit den Geschichten zu kaufen.

Da ist zum Beispiel Oma Hilde, die nach einer schlimmen Hüftoperation mit dem Bus zum Arzt fahren will. Doch es ist kein Platz mehr frei und sie muss stehen. Gerade in dem Moment, als Oma Hilde denkt, dass sie sich keine einzige Sekunde mehr auf den Beinen halten kann, wird ihr ein Platz angeboten – von einem Flüchtling. Und dies ist der Beginn einer Freundschaft.

Die Geschichten spielen aber auch in anderen Ländern, wie zum Beispiel in Mali. „Denn auch dort kann man fremd sein, wenn man nicht die gleiche Hautfarbe wie die anderen Einwohner hat“, sagt Otti Meyer. In einem Text geht es um einen kleinen Jungen mit einem dunkel-- und einem hellhäutigen Elternteil. Dadurch ist er nicht so dunkel wie die anderen Kinder und hat auch kein krauses Haar. Also kann er auf seinem Kopf keinen Wasserkrug tragen und wird geärgert. „Ich will mit meinen Geschichten erreichen, dass Kinder etwas über die Welt lernen“, sagt die 80-Jährige. „Uns geht es hier in Deutschland so gut, man sollte aber nicht die Augen vor dem Schicksal anderer Menschen verschließen, die zufällig auf einem anderen Teil der Erde geboren worden sind.“

Doch Otti Meyer will mit ihren Büchern nicht nur Augen öffnen, sondern auch finanzielle Hilfe vor Ort leisten: Das Geld aus dem Verkauf ihrer Bücher geht – abzüglich der Druckkosten – zu hundert Prozent an das Kinderhilfswerk Plan (siehe Hintergrund).

Das Bedürfnis zu helfen, hat Meyer aber schon lange. Sie und ihr verstorbener Mann unterstützten viele Jahre ein Patenkind aus dem Sudan mit monatlichen Spenden. Und auch der Erlös aus ihrem ersten Buch ging an das Kinderhilfswerk. Meyer schreibt nämlich bereits viele Jahre – angefangen hat alles damit, dass sie sich Geschichten für ihren Enkel ausdachte. „Viele Märchen, wie von den Grimms, waren für meinen Enkel noch zu düster, deshalb fing ich an, selbst Geschichten zu erfinden.“

Abgesehen vom Verkauf ihrer Bücher sind Otti Meyer und zwei Mitstreiterinnen der Plan-Aktionsgruppe Helsa ständig auf der Suche nach neuen Ideen und Aktionen, wie sie das Hilfswerk und damit Kinder, denen es schlecht geht, unterstützen können. „Wir leben auf der Sonnenseite und im Luxus“, sagt Meyer. Arme Kinder gibt es auch in Deutschland, ja. Aber immer gemessen an unserem Lebensstandard.“

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