Die Imker ernten jetzt den letzten Honig im Jahr

Fast bienenfrei: Die Honigwaben hat Imker Reinhard Böth schon am Vorabend mit einer Art Schleuse vom Wohnraum des Volks getrennt. Die fleißigen Brummer finden zwar den Weg zu ihrer Königin, nicht aber den zurück an die Honigtöpfe. Fotos: Stier

Kaufungen. Die Ernte des Waldhonigs und die Vorbereitung auf den Winter läuten das Ende des Bienenjahres ein. Der Kaufunger Imker Reinhard Böth legt jetzt den Grundstein für das Wintervolk, das das Überleben des wohlgeordneten Bienenstaats sichern soll.

Der große Bauerngarten der Familie Böth im historischen Dorfkern von Niederkaufungen muss ein Paradies für Bienen sein: Eine blühende Wildnis aus Obstbäumen, Blumen, Gemüse und Kräutern. Der dichte Wald fängt direkt hinter den neun Bienenstöcken an, aus denen an diesem heißen Julitag hunderttausende Bienen in summenden und wirbelnden Wolken im Honigrausch aus- und einfliegen. Schon zwei Honigernten hat Imker Reinhard Böth eingefahren, jetzt ist der Waldhonig an der Reihe, der in diesem so trockenen und warmen Jahr besonders reichhaltig fließen wird. Der Grund: Zu Millionen haben Blattläuse den Saft aus den Bäumen gesaugt und scheiden jetzt eine mit Enzymen und Mineralstoffen angereicherte Zuckermasse aus, die von den Bienen eingesammelt und in den Honigwaben eingelagert wird.

Eine Million Blüten

Was die friedfertigen braunen Brummer dabei leisten, mutet schier unglaublich an: Um etwa 100 Gramm Kleehonig zusammenzutragen, müssen eine Million Blüten besucht werden. Beim Waldhonig sieht die Flug- und Sammelleistung nicht anders aus.

Schon am Vorabend hat Böth die Kisten mit den Honigwaben bienenfrei gemacht. Zwischen Honig- und Lebensraum des Bienenstocks hat er eine Art Schleuse eingesetzt. Auf dem Weg zu ihrer Königin haben die Bienen die Honigwaben verlassen, den Weg zurück finden sie nicht mehr.

Als Böth nun den Stock öffnet, krabbeln nur noch drei, vier Bienen darauf herum. Mit Daumen und Zeigefinger nimmt er behutsam ein Tierchen hoch und zeigt es dem Besucher. Angst vor dem Stich? Erstens stechen die Bienen kaum und zweitens ist Böth nach ungezählten „Impfungen“ immun gegen das Gift des Stachels.

Wolfgang und Marion Wagner aus Wellerode haben bereits damit begonnen, die Honigwaben zu entdeckeln, unter der weißen Wachsschicht quillt der dunkelgelbe, aromatische Honig hervor.

Die Waben kommen in die elektrische Schleuder und Sekunden später fließt der süße Strom in den Eimer. Das Söhrewalder Paar imkert seit etwa einem Jahr, Böth steht ihnen als erfahrener Bienenfreund und Pate zur Seite.

Doch was der Imker seinen Bienen nimmt, muss er ihnen auf andere Art zurückgeben. Wie Reinhard Böth seine Völker auf den Winter vorbereitet und wie es mit dem geernteten Honig weiter geht, ist Thema der nächsten Folge unserer Serie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.