Gespräch mit Dr.Thorsten Ebert

Interview mit KVG-Chef über die Zukunft der Lossetalbahn: Nach wie vor attraktiv

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Bekommt in absehbarer Zeit Konkurrenz durch die Autobahn: Bei der KVG überlegt man zurzeit, wie das Tram-Angebot im Lossetal attraktiver gemacht werden kann. Das Foto zeigt eine Straßenbahn bei Helsa.

Kaufungen/Helsa. 2,2 Millionen Fahrgäste nutzten 2013 die Straßenbahnlinie durch das Lossetal zwischen Kassel und Hessisch Lichtenau. Das belegt eine vor Kurzem vorgelegte Bilanz der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG).

Die Zahl der Passagiere hat sich damit gegenüber 2012 nicht verändert. Über die Entwicklung und Versuche, die Strecke attraktiver zu machen, sprachen wir mit KVG-Chef Dr. Thorsten Ebert.

Herr Dr. Ebert, es herrscht Stagnation bei den Fahrgästen der Lossetalbahn. Wie bewerten Sie die Tatsache, dass Sie 2013 keine zusätzlichen Passagiere zum Umsteigen in die Tram bewegen konnten? 

Dr. Thorsten Ebert: Die Angabe, wonach rund 2,2 Millionen Menschen jährlich mit den Bahnen auf der Lossetalstrecke fahren, basiert auf einer komplexen Rückrechnung aus den Gesamterlösen des Nordhessischen Verkehrsverbunds. Diese werden nach definierten Verteilungsschlüsseln auf einzelne Linien oder Linienbündel wie dem Lossetal verteilt. Dabei werden keine einzelnen Fahrgäste gezählt, sondern anhand von Durchschnittswerten eine fiktive Anzahl von Fahrgästen ermittelt. Dieses Verfahren ist recht zuverlässig, wenn es um großräumige Einheiten wie etwa die Stadt Kassel oder das Gebiet Kassel-Plus geht. Je kleinteiliger die Untersuchung wird, umso größer sind die Unsicherheiten.

Werden Sie also noch einmal genau zählen? 

Ebert: Ja, wir planen, die so ermittelten Fahrgastzahlen noch einmal durch konkrete Stichprobenzählungen zu überprüfen. Erst anschließend wird deutlich, wie sich die Lage tatsächlich darstellt. Bisher haben wir somit lediglich ein erstes Indiz, dass es im Jahr 2013 zu keinen weiteren Steigerungen der Fahrgastzahlen gekommen ist.

Wie sieht Ihre Strategie für die nächsten Jahre aus? 

Ebert: Wir haben in den vergangenen Jahren bei der KVG die vertrieblichen Aktivitäten inhaltlich und personell deutlich verstärkt, auch gab es im Lossetal gezielte Vertriebs- und Marketingaktivitäten. Das werden wir weiter ausbauen, denn wir müssen die Qualitäten, die der ÖPNV im Lossetal zweifellos hat, den Menschen immer wieder neu nahebringen. Selbstverständlich sind solche Aktivitäten nur erfolgreich, wenn das vermarktete Produkt attraktiv genug ist.

Und ist das Angebot auf der Lossetalstrecke attraktiv? 

Ebert: Das ist nach wie vor der Fall, aber trotzdem sehen wir, etwa im Zusammenhang mit dem Ausbau der A 44, Handlungsbedarf. Daher arbeiten NVV, KVG und RBK gemeinsam an einem Konzept, um die Tramstrecke im Lossetal auch in Hinblick auf die Konkurrenz durch die künftig kürzeren Pkw-Fahrzeiten attraktiver zu gestalten.

Und wie soll das funktionieren? 

Ebert: Ziele sind dabei vor allem ein stabiler Bahnbetrieb und, wenn möglich, die Fahrtzeiten zu verkürzen. Durch zum Beispiel eine bessere Signalisierung von Bahnübergängen haben wir bereits eine Reduzierung der Fahrzeiten und damit eine bessere Betriebsqualität erreicht. Auch der flächendeckende Ausbau der elektronischen Fahrplananzeiger an allen Haltestellen hat die ÖPNV-Qualität für die Fahrgäste erhöht.

Und was ist mit der Expressstrecke bei Kaufungen, die nach nur anderthalb Jahres stillgelegt wurde? 

Ebert: Auch die Nutzung der Expressstrecke wird geprüft. Neben der technischen Komplexität und den damit verbundenen Investitionskosten ist hier jedoch zu berücksichtigen, dass die Expressstrecke die Haltestellen in Kaufungen auslässt, die von sehr vielen Fahrgästen frequentiert werden. Deshalb kann das nur ein Zusatzangebot sein, das nicht zulasten des Bestehenden gehen darf. Zudem sind damit Mehrkosten verbunden, die erst einmal durch zusätzliche Fahrgelderlöse ausgeglichen werden müssen.

Von Peter Ketteritzsch

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