Oberkaufunger Denkmal jetzt in neuer Hand: John Philipp Leszner übernahm die alte Ziegelei

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Das Team: Ingolf Stein (von links), Isabel Hartmann und der neue Eigentümer der Kaufunger Ziegelei, John Philipp Leszner.

Kaufungen. Die Eigentümerin der Ziegelei in Oberkaufungen, Tamara Leszner (66), ist nach schwerer Krankheit im April dieses Jahres gestorben. Ihr Sohn John Philipp Leszner hat das Industriedenkmal übernommen.

„Die Ziegelei ist seit 17 Jahren in Familienbesitz, nun erfolgt der Generationenwechsel“, sagt der 28-jährige Lehmbauer, der derzeit seinen Meister macht. Auf dem 17.500 Quadratmeter großen Gelände, von denen 12.500 bebaut sind, befindet sich die Ziegelei, die bis 1982 Ziegel und Lochgittersteine herstellte. „Laut Denkmalschutz ist die Ziegelei als Gesamtensemble eines der wichtigsten Industriedenkmäler in Nordhessen“, sagt John Philipp Leszner. Die neuen Wohngebäude mit sechs Wohnungen auf dem Gelände sind dabei mit eingeschlossen.

In der Ziegelei wurde jedes Jahr ein Teilbereich saniert, der dann vermietet werden konnte. „Dadurch trägt sie sich jetzt selbst“, sagt Leszner. Sein Vater Ingolf Stein (58) ist einer von fünf Lehmbau-Meistern in Deutschland. Er lebt seit Jahren in Divitz im Landkreis Vorpommern-Rügen und steht seinem Sohn nach wie vor zur Seite.

Impressionen der Ziegelei in Oberkaufungen

Impressionen der Ziegelei in Oberkaufungen

Zum neuen Vorsitzenden des Vereins Hessisches Ziegeleimuseum wurde John Philipp Leszner gewählt. Unterstützt wird er von seiner Lebensgefährtin Isabel Hartmann. „Wir sind gleichberechtigte Partner“, sagt er. Während er sich um bauliche Dinge, die Firmen (einen ökologischen Baustoffhandel und eine Lehmbaufirma) und das Ziegeleimuseum kümmert, engagiert sie sich bei den Veranstaltungen, die in der Ziegelei, deren Café und auf dem Gelände stattfinden. „Man kann die Flächen mieten und alles selbst machen. Wir können aber auch die Bewirtung übernehmen“, sagt sie. „Es werden Betriebsfeste und Geburtstage gefeiert, es gibt Treffen von Oldtimer-Freunden sowie Kulturelles vom klassischen Konzert bis zum Festival“, berichtet John Philipp Leszner.

Bedeutendes nordhessisches Industriedenkmal: So sieht die alte Ziegelei in Oberkaufungen heute aus.

Die Ziegelei hat 20 Mieter: Privatleute, den Friseur Freestyle, die Kaufunger Hunderunde (Hundeschule), verschiedene Handwerksbetriebe haben sich inzwischen dort angesiedelt, ferner sind Lagerflächen vermietet. Seit 2007 nutzt die Dietrich-Bonhoeffer-Schule Räume als Zweigstelle.

Auch das Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne (SinnesGänge) gehört zu den Mietern. Jeder Mieter leistet an zwei Wochenenden im Jahr Museumsdienst und bietet eine eigene Führung an. „Alle haben Freude an dem Gebäude. Sie sind wie eine Familie“, sagt Ingolf Stein. „Die Ziegelei ist inzwischen ein pulsierendes Zentrum. Es gibt sogar einen Imker“, ergänzt John P. Leszner. Im Winter wird eine weitere Werkstatt fertig, eine Schmiede und eine Unterkunft für einen Wandergesellen sind geplant. „Ich möchte Menschen an Handwerkliches heranführen, und im Museumscafé soll sich ein Stammtisch für Eigentümer von denkmalgeschützten Gebäuden etablieren“, sagt der 28-Jährige.

Von Bettina Wienecke

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