Bürgerversammlung am 13. Oktober

A44: Kaufungen besteht auf Prüfung der Anschlussstelle bei Papierfabrik

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So sieht es heute aus: Über die sogenannte Papierfabrik-Kreuzung ist das Gewerbegebiet an die Autobahn angebunden.

Kaufungen. Der Dialogprozess zur A44-Planung im Lossetal zwischen der hessischen Landesregierung und den Anrainerkommunen wird möglicherweise länger dauern als geplant.

So lautet die Einschätzung des Kaufunger Bürgermeisters Arnim Roß (SPD). Ursprünglich sollte er zum Ende des Jahres abgeschlossen sein, um im Frühjahr 2016 die modifizierte Planung dem Bundesverkehrsministerium zur Genehmigung vorlegen zu können.

Grund für die Verzögerung ist die aktualisierte Verkehrsprognose 2030, die Hessen Mobil am 30. September in der Verhandlungsgruppe intern vorstellen wird. Danach müsse geprüft und diskutiert werden, welche Auswirkungen die aktualisierten Zahlen auf Trassenplanung, Lärm- und Naturschutz haben, sagte Roß in einem Pressegespräch der HNA.

Während man sich in puncto Umleitungsverkehr und Erhalt der B 7 im Sommer mit der Planungsbehörde Hessen Mobil auf eine gemeinsame Linie einigen konnte, gibt es vor allem in der Frage der Anschlussstelle für Kaufungen einen Dissens zwischen den Gesprächspartnern.

Winzling mit großer Wirkung: Der unter Schutz stehende Wiesenknopf-Ameisenbläuling lebt im FFH-Schutzgebiet an der Losse bei Niederkaufungen. Seine Flügelspannweite beträgt nur 30 Millimeter. Doch sein Vorkommen kann die Autobahnplanung nachhaltig beeinflussen.

Hessen Mobil möchte die heutige Anschlussstelle Kassel-Ost wegfallenlassen und durch ein Autobahndreieck ersetzen, der Verkehr soll stattdessen bei Niederkaufungen auf die Autobahn geführt werden. Die Gemeinde Kaufungen fordert dagegen eine Anschlussstelle bei Papierfabrik - also näher an der A7 und weiter weg von Niederkaufungen, auch um die Anwohner zu entlasten.

Die Gemeinde favorisiert dabei die sogenannte Böhm-Variante (siehe Grafik unten rechts). Bei ihr würden die Stadt Kassel, Kaufungen und das Gewerbegebiet Papierfabrik über die B7 an die Autobahn angebunden. Unklar ist jedoch, ob diese Variante mit dem Naturschutz zu vereinbaren ist.

Denn auf den Wiesen des FFH-Naturschutzgebiets an der Losse lebt der seltene Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Er ist von der EU unter besonderen Schutz gestellt. Der drei Zentimeter kleine Winzling könnte die Anschlussstelle Papierfabrik kippen. Die Streitfrage lautet: Wie hoch fliegt der unscheinbare Schmetterling? Sechs Meter, zehn Meter, zwölf Meter? Denn die A44 soll zwischen den beiden Teilen des FFH-Gebiets (südlich und nördlich der A44) auf einem Damm verlaufen. Der Bläuling müsste ihn überwinden können, sonst würde er nach Expertenmeinung hier nicht überleben.

Das Problem: Niemand weiß genau, wie hoch der Schmetterling fliegt, sagt Wulf Hahn, Geschäftsführer von Regio Consult (Marburg), der die Gemeinde berät. Da Hessen Mobil und das Land auf einer gerichtsfesten Planung bestehen, müsse man genau dies untersuchen, um zu einer fundierten Entscheidung zu kommen.

Man werde in dem Dialogprozess darauf dringen, diese Fragen zu klären, sagte Roß. Denn nur wenn man nach eingehender Prüfung einen Konsens erziele, sei die Planung wirklich gerichtsfest.

Die Öffentlichkeit soll bei einer Bürgerversammlung am Dienstag, 13. Oktober (19 Uhr, Haferbachhalle in Niederkaufungen) über den Stand der A44-Planung informiert werden.

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