CDU und SPD wollen am Donnerstag gemeinsamen Antrag stellen - Edeka: Eröffnung zu Ostern 2013 möglich

Kaufungen: Große Koalition für Markt bei Riffer

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Riffer-Gelände: Was wird aus der alten Villa (Bildmitte)?

Kaufungen. In der Parlamentssitzung am Donnerstagabend könnte das letzte Kapitel einer jahrelangen kommunalpolitischen Diskussion geschrieben werden: In einem gemeinsamen Antrag wollen sich CDU und SPD für den Bau eines großen Lebensmittelmarktes auf dem Riffer-Gelände in Oberkaufungen aussprechen.

Damit könnte die Suche nach einem Markt-Standort enden, die seit vielen Jahren die Kommunalpolitik Kaufungens beherrscht hat. Während die CDU-Fraktion bereits seit Langem fordert, dem Handelskonzern Edeka Hessenring Melsungen auf dem Gelände der ehemaligen Holzhandlung am Lossetalstadion einen Ersatzbau für den veralteten Markt an der Leipziger Straße zu ermöglichen, wurde dies bislang von der SPD abgelehnt. Nach einer empfindlichen Wahlschlappe bei der jüngsten Kommunalwahl hat aber jetzt ein Umdenkungsprozess bei den Sozialdemokraten eingesetzt.

Fraktionschef Christian Strube verwies auf abschließende Gespräche, die noch bis zu der Sitzung geführt werden müssten. Es werde aber wohl zu einem gemeinsamen Antrag mit der CDU kommen. Das erwartet auch deren Fraktionsvorsitzender Erwin Schmidt: „Einige technische Details sind noch zu klären, aber im Grundsatz sind wir uns einig“, erklärte er auf HNA-Anfrage.

Diskutiert werde noch über die Zukunft der Riffer-Villa und die Verkehrsanbindung des neuen Marktes. Der Kaufunger Architekt und Städteplaner Professor Wolfgang Rettberg hatte angeregt, den Investor am Bau einer Straße vom Kreisel zum künftigen Lebensmittelmarkt zu beteiligen. Dieser Idee steht auch Edeka Hessenring aufgeschlossen gegenüber. „Wir stellen uns allen Anforderungen der Kommune und wir tun das gern“, sagte Geschäftsführer Hans-Richard Schneeweiß.

Nach über 16 Jahren des Bemühens, eine Ersatzlösung für den alten Markt zu finden, wolle Edeka jetzt zum Ziel kommen. Da ein Bebauungsplan vorliege und nur noch Rechtskraft erhalten müsse, hält Schneeweiß eine schnelle Realisierung für möglich: „Wenn alles glatt läuft, können die Kaufunger ihre Ostereier 2013 schon im neuen Markt kaufen.“ Gemeinsam verfügen CDU und SPD mit 27 Sitzen über eine satte Mehrheit in der Gemeindevertretung. Grüne, Linke Liste und KWG sind zwar gegen den Riffer-Standort, bringen es aber nur auf zehn Sitze.

Hintergrund: Kommunalwahl brachte Wende

Den Ausschlag zugunsten eines Edeka-Marktes auf dem ehemaligen Riffer-Gelände gab auch das Ergebnis der Kommunalwahl im März dieses Jahres. Die SPD stürzte um 12,7 Prozent auf 36,8 Prozent der Stimmen ab. Mit dem schlechtesten Ergebnis nach dem Krieg straften die Wähler die Sozialdemokraten für ihren Vorschlag ab, den Bürgerhaussaal zu entkernen und dort einen Lebensmittelmarkt unterzubringen. Angesichts des Debakels regte die SPD eine Bürgerbefragung zu dem Thema an. Die Pläne scheiterten im Juni aber im Parlament: CDU, Grüne und die SPD-Abgeordnete Antje Rumpf machten den Weg für die Sanierung des Bürgerhaussaals frei. Bürgermeister Arnim Roß (SPD) favorisierte fortan auch die Riffer-Lösung. Wochenlang verhandelten SPD und CDU über eine große Koalition für den Markt auf dem früheren Sägewerksgelände. Der jüngste Vorschlag der KWG für eine Tandem-Lösung (großer Markt an der Theodor-Heuss-Straße /kleiner Markt im Neukauf an der Leipziger Straße) sorgte für Aufsehen, hatte aber keine Chance. (ket)

Kommentar: Sieg der Vernunft

Peter Ketteritzsch über die Entscheidung für den Standort Riffer

Am Ende hat bei den Sozialdemokraten die Vernunft, sprich die Kraft des Faktischen, gesiegt: Nach der Wahlschlappe vom März, dem gescheiterten Projekt Bürgerbefragung und dem abweichenden Votum ihrer Abgeordneten Antje Rumpf hat die Fraktion eingesehen, dass man in der Supermarkt-Frage nicht länger Politik gegen die Mehrheit der Kaufunger Bevölkerung machen kann. Spätestens seit dem Bürgerentscheid von 2007 war klar: Den Standort Niester Straße wollen die Menschen nicht. Dass trotzdem wieder versucht wurde, dort einen Markt zu errichten, hat den Kaufunger Kommunalpolitikern insgesamt schwer geschadet. Viele Menschen, die seinerzeit gegen das Projekt gestimmt haben, fühlen sich bis heute von den Akteuren vergackeiert.

Von den Kaufleuten links und rechts der Leipziger Straße geschickt ins Spiel gebracht, geisterte jahrelang die Mär von einem Supermarkt als Wundermittel gegen die vermeintliche Verödung des Oberkaufunger Ortskerns umher. Bei genauem Hinsehen erwiesen sich viele der Argumente als fragwürdig. Wahrscheinlich hätte sich die erhoffte Belebung am Ende in einem täglich wiederkehrenden Verkehrschaos erschöpft. Die Zeitleiste der Supermarkt-Debatte sollten die Kaufunger Kommunalpolitiker als Mahnung begreifen: Am Ende wird die Diskussion über 15 Jahre gedauert haben. Planung und Bau des Lebensmittelmarktes werden dagegen nach nur gut 15 Monaten erledigt sein. ket@hna.de

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