Verurteilung

Kaufunger Neonazi verstieß fahrlässig gegen Waffengesetz – Sein Name fiel auch im NSU-Prozess

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Unmissverständliches Zeichen: Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln werden weiterhin als Symbol einer rechtsextremen Gesinnung gesehen.

Kaufungen/Hof. Der Kaufunger Neonazi Stanley R. ist in Hof (Bayern) wegen eines fahrlässigen Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt worden. 

Das bestätigte das Amtsgericht Hof auf HNA-Anfrage. Laut Ulrike Hofmann-Beyer, Sprecherin des Amtsgerichts, hatte R. im September des vergangenen Jahres in einer Gruppe auf einem privaten Schießstand in Tschechien offenbar den Umgang mit Schusswaffen geübt. Am 24. September wurden sie auf dem Heimweg nach Deutschland gegen 9.15 Uhr am Grenzübergang Schirnding von der Polizei kontrolliert. „Hier gibt es regelmäßig Kontrollen, um die Einfuhr der Droge Crystal Meth zu unterbinden“, sagte Hofmann-Beyer.

Bereits vorbestraft

Bei der Überprüfung fanden die Beamten zwei Patronen des Kalibers 7,62x39 Millimeter bei Stanley R. – bei Tobias V., einem weiteren Angeklagten aus Homberg/Efze, stellten sie 25 Schuss Munition sicher. Beide führten die Munition unerlaubt nach Deutschland ein – und verstießen damit gegen das Waffengesetz, sagte die Gerichtssprecherin weiter.

Stanley R. wurde wegen des fahrlässigen Verstoßes gegen das Waffengesetz zu 120 Tagessätzen à 25 Euro verurteilt. „In Hof ist R. damit erstmalig auffällig geworden“, sagte Hofmann-Beyer. Jedoch sei er bereits vorbestraft, allerdings für Delikte, die bereits rund zehn Jahre zurückliegen. „Das war unter anderem Körperverletzung“, erläuterte die Gerichtssprecherin.

„Tobias V. zog es vor, nicht vor Gericht zu erscheinen“, sagte sie. Dementsprechend wurde ein Sitzungshaftbefehl gegen den Mann aus Homberg/Efze erlassen. Das bedeute laut der Sprecherin: „Wenn die Polizei ihn aufgreift, wird er in dem Bezirk, in dem er aufgegriffen wurde, einem Richter vorgeführt“, teilte Hofmann-Beyer mit. Bis dann ein Gerichtsverfahren in Hof für ihn stattfinden könnte, müsse er entweder die Zwischenzeit im Gefängnis verbringen oder außerhalb des Vollzugs unter besonderen Auflagen auf den Prozess warten.

Sein Name im NSU-Prozess

Der Kaufunger Stanley R. ist offenbar kein unbeschriebenes Blatt in der Neonazi-Szene: So fiel sein Name beispielsweise im Prozess um den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU): Auf seiner Homepage berichtete der Bayerische Rundfunk vom 185. Verhandlungstag am 11. Februar 2015. Im Bericht ging es um eine Geburtstagsfeier Stanley R.s, die in Kassel stattgefunden habe und bei der auch Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt (beides Mitgründer des NSU) zu Gast gewesen sein sollen. Wie weiterhin ausgesagt wurde, sei dort auch die aus Dortmund stammende Rechtsrock-Band „Oidoxie“ aufgetreten, die eng mit der rechten Terrororganisation „Combat 18“ verbunden sein soll.

Das sagt die Polizei 

Es bestehen Kontakte zu „Combat 18“

„Der Kaufunger Stanley R. ist uns bereits bekannt“, teilte Polizeisprecher Torsten Werner auf HNA-Anfrage mit. Es gebe eindeutige Hinweise, dass R. eine rechtsextreme Gesinnung habe. Auf welche Art und Weise R. bislang kriminell aufgefallen ist, dazu könnte der Polizeisprecher jedoch aufgrund des Persönlichkeitsrechts keine Aussagen machen. Was er aber definitiv bestätigen könne, seien Verbindungen R.s zur rechtsextremen Gruppierung Combat 18: „Da bestehen auf jeden Fall Kontakte“, sagte Werner.

Zur Rolle des Kaufungers in dem Netzwerk machte der Polizeisprecher hingegen keine Angaben. Inwieweit Stanley R. in den NSU-Ermittlungen und im Prozess eine Rolle gespielt hat, dazu wollte der Polizeisprecher ebenfalls keine Angaben machen und verwies im Gespräch mit der HNA für weitere Informationen auf die Generalbundesanwaltschaft. 

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