„Ich wurde von beiden Seiten hingehalten“

Von der Telekom zur Netcom: Anbieterwechsel mit Verzögerung für Kaufunger Kunde

Kaufungen. Betrug und Nötigung: Diese Taten wirft der Kaufunger Heinz-Werner Grothoff der Netcom und der Telekom vor.

Doch von vorn: Grothoff will im Ende Oktober vergangenen Jahres zur Netcom - Betreiber des neuen Breitbandnetzes Nordhessen, jetzt auch in der Lossegemeinde aktiv - wechseln. Schnelleres Internet für weniger Geld, so lautet das Angebot. Da der 68-Jährige seine bisherige Festnetznummer behalten will, kümmert sich die Netcom um die Kündigung seines Alt-Vertrags bei der Telekom. Auf dieses Versprechen verlässt sich der Rentner.

Doch kurze Zeit später bekommt er eine Mail von der Telekom: Im Anhang eine Kündigungsbestätigung – allerdings zum 17. Dezember 2018, ein Jahr später als geplant. Ein Mitarbeiter erklärt Grothoff am Telefon, es sei keine fristgerechte Kündigung eingegangen, daher habe sich der Vertrag des Kaufungers um ein Jahr verlängert. Für Grothoff, der über 40 Jahre lang Telekom-Kunde war, unverständlich: „Die Netcom hatte vom 23. Oktober bis zum 16. November Zeit, eine Kündigung an die Telekom zu schicken, denn Mitte November lief meine Kündigungsfrist ab. Diese Frist kannte die Netcom. Ich kann mir nicht erklären, warum ein Schreiben über drei Wochen braucht, um bei der Telekom anzukommen.“ Eine Kopie von dem besagten Kündigungsschreiben hat der Kaufunger von der Netcom nie erhalten: „Somit habe ich der Telekom gegenüber auch nichts in der Hand.“

Will zur Netcom wechseln: Heinz-Werner Grothoff aus Kaufungen.  

Der 68-Jährige fühlt sich machtlos: „Ich werde von beiden Seiten hingehalten, von der Netcom und von der Telekom.“ Die Telekom habe nun mal das Monopol und sitze am längeren Hebel. Die monatlichen Vertragskosten werden per Einzugsermächtigung von seinem Konto abgebucht. „Ich kann das Geld nicht zurückholen, weil dann vielleicht mein Internet und Telefon nicht mehr funktionieren“, befürchtet Grothoff.

Wie sich inzwischen herausstellte – zwei Tage nachdem die HNA bei den Pressestellen der beiden Unternehmen um eine Stellungnahme zu dem Fall gebeten hat – hat die Netcom eingelenkt: „Ein Mitarbeiter hat mir angeboten, bis mein Vertrag mit der Telekom ausläuft, den Tarif ‚NetcomSofort‘ zu nutzen. Aus Kulanzgründen werden mir die monatlichen Kosten von 15 Euro erlassen“, so Grothoff. Somit kann der Kaufunger nun doch noch vor Dezember schneller durchs Internet surfen.

Das sagt die Netcom: Bearbeitung dauert einen Monat

„Bei einem Vertragsabschluss zum 22. Oktober 2017 und einer üblichen Kündigungsfrist von einem Monat bei der Telekom, wäre ein Vertragswechsel zur Netcom Kassel zum 16. November 2017 nicht möglich gewesen, denn es muss noch der interne Bearbeitungszeitraum bei der Netcom Kassel berücksichtigt werden“, erläutert Netco-Sprecherin Jutta Schill. 

Das Unternehmen habe das Kündigungsschreiben am 21. November – und somit fünf Tage nach Grothoffs Kündigungsfrist – zur Telekom geschickt. Knapp eine Woche später kam die Bestätigung, dass ein Wechsel zum 17. Dezember 2018 möglich ist. „Der Anfrage- und Kündigungsprozess läuft ausschließlich elektronisch zwischen Netcom Kassel und Telekom. Ein Ausdruck dieses Vorgangs ist systemtechnisch nicht vorgesehen“, erklärt Schill.

Das sagt die Telekom: Kündigung kam zu spät

„Das Vertragsverhältnis ist für beide Vertragspartner mit einer Frist von einem Monat frühestens zum Ablauf der Mindestvertragslaufzeit schriftlich kündbar. Soweit keine Kündigung erfolgt, verlängert sich die Vertragslaufzeit jeweils um zwölf Monate. So war es auch bei Herrn Grothoff, da die Kündigung durch die Netcom Kassel erst am 21. November 2017 bei uns eingegangen ist “, erklärt Telekom-Sprecher Stephan Althoff auf HNA-Anfrage. 

Der Kunde könne jedoch gegen Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung früher wechseln. Er müsste dazu die monatlichen Entgelte des Anschlusses bis zum Ende der Vertragslaufzeit zahlen. Im Fall von Heinz-Werner Grothoff wäre das bis Dezember diesen Jahres. „Je nach Wechseltermin wären das bei ihm rund 240 Euro“, rechnet Althoff vor.

Probleme auch in Nieste

Ein ähnlicher Fall hat sich kürzlich in Nieste ereignet: Hier klappte der Anbieterwechsel von der Telekom zur Netcom über ein Jahr lang nicht, weil der Kunde angeblich falsche Anschlussdaten angab. Dazu kam, dass der korrigierte Anbieterwechselauftrag bei der Netcom nie ankam.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Marc Müller/dpa

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