Tier will Futter

Krähe als Nervensäge: Kaufunger Ehepaar wird  von Rabenvogel belagert

Der Hans Huckebein von Kaufungen: So wie Wilhelm Buschs Unglücksrabe ist auch die Krähe, die Madeleine Fernandez-Hütten (Bild) und ihrem Mann Norbert zugeflogen ist, eher eine traurige Gestalt. Eigentlich will sie nur lieb gehabt werden, fällt den Vogeleltern wider Willen und ihren Nachbarn dabei aber gehörig auf die Nerven. Fotos: Stier

Kaufungen. Madeleine Fernandez-Hütten und ihr Mann Norbert sind ungewöhnlich tierliebe Leute. Doch seit die beiden Kaufunger wider Willen einen Vogel haben, wird ihre Zuneigung auf eine harte Probe gestellt. Seit Montag vergangener Woche werden sie in ihrem Haus nahe dem Steinertsee von einer handzahmen Krähe geradezu belagert, die nur eines will: Zuwendung, Streicheleinheiten und Futter.

Alles begann damit, dass Norbert Hütten in der Abenddämmerung die vier Igel fütterte, die den Garten bevölkern. Mit krächzenden Schreien kam die Krähe angeflogen und wollte sich auf seine Schultern setzen. Der 58-Jährige dachte zunächst an einen Angriff wie im Hitchcock-Film und erschrak. Doch bald bemerkte er, dass der zerzauste Vogel nur menschliche Nähe suchte.

Die Nacht verschlief das Tier in der Regenrinne. Am nächsten Morgen gab es von den Tierfreunden Brot und ein paar Nüsse. Ein Fehler, weiß Madeleine Fernandez-Hütten heute. Denn seither steht der schwarze Vogel mit dem kräftigen Schnabel in Treue fest zu seinen neuen Wahleltern.

Mit fatalen Folgen für deren Nervenkostüm: „Wir können die Terrasse nicht mehr nutzen, weil die Krähe sofort auf den Tisch kommt und mit essen will“, sagt die 50-Jährige. Aufgehängte Wäsche wird ebenso zuverlässig voll gekackt, wie der ganze Terrassenbereich. Pflanzen werden herausgerissen und müssen ins Haus in Sicherheit gebracht werden.

Der harte Krähenschnabel schlägt Kerben ins Holz, die Kinder der Straße haben Angst, weil die Krähe im freundlichen Tiefflug über ihre Köpfe rauscht.

Als eine Nachbarin Kuchen vorbei bringen wollte, flog die Krähe auf Nahrungssuche Sturzflüge auf den Teller, so dass die Frau genervt unter einem Regenschirm Zuflucht suchte. Ist Madeleine Fernandez-Hütten im Haus, landet der Vogel auf den Fensterbänken und pocht hartnäckig an die Scheiben.

Und das Tier ist schlau: Als die Hausherrin den Gartenteich säuberte, saß die Krähe daneben und half. „Die zog wie ich Pflanzen aus dem Wasser und legte sie fein säuberlich auf meinen Haufen. Unglaublich.“

Trotzdem, so geht es nicht weiter, aber was tun? Das Ehepaar rief im zuständigen Regierungspräsidium an. Auskunft der Oberen Naturschutzbehörde: Der Rabenvogel steht unter Naturschutz, weil er keinen Ring hat ist er ein Wildvogel, das RP daher nicht zuständig.

Die Hüttens wollen dem Tier nichts tun, es tut ihnen leid, zumal es seit einigen Tagen immer wieder von einem anderen, wilden Krähenpaar, das dort offenbar sein Revier hat, angegriffen wird.

Vielleicht, hofft Madeleine Fernandez-Hütten, ist die Krähe ja ihrem eigentlichen Herren entflogen, der es gern zurück haben will. Wenn der sich unter 0 56 05 / 92 84 85 melden würde, könnte rasch wieder Frieden einkehren am Struthweg.

Hilfsbereitschaft signalisierte auch Uwe Pietsch, Leiter der Eigenbetriebe des Landkreises Kassel und damit auch zuständig für den Tierpark Sababurg im Reinhardswald. Er schlug auf Nachfrage der HNA vor, die Krähe einzufangen und im oder nahe des Tierparks auszusetzen. Pietsch: „Rund ums Wolfsgehege ist ständig ein großer Krähenschwarm, vielleicht kann sie sich dem anschließen.“ Wenn nicht gebe es im Park viele an Menschen gewöhnte Tiere, das wäre eine naturnahe Lösung für den handzahmen Vogel.

Von Thomas Stier

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