Streit um Lärmschutz: Kein Dach für Autobahn 44 geplant

Dach gegen den Verkehrslärm: Die Autobahn 3 wurde zwischen Hösbach und Aschaffenburg (Foto) mit einem Dach versehen, um die Anwohner vor Lärm zu schützen. Auch andernorts gibt es derartige Einhausungen von Autobahnabschnitten. Archivfoto: dpa

Kaufungen. Der Streit um den Lärmschutz für die Einwohner von Kaufungen beim Bau der A44 geht weiter. Hessen Mobil lehnt ein Dach zum Lärmschutz ab.

Während Naturschützer, Grüne und der Forst eine Einhausung der geplanten Autobahn - also die Führung der Trasse in einem Einschnitt, versehen mit einem Dach - fordern, lehnt die Verkehrsbehörde Hessen Mobil dies ab.

„Hessen Mobil geht nicht davon aus, dass der Bund eine solche Einhausung finanzieren wird“, sagte Behördensprecher Horst Sinemus unserer Zeitung.

Nach Informationen der HNA hatte sich die Vorgängerbehörde von Hessen Mobil - das frühere Amt für Verkehrswesen (ASV) - um das Jahr 2006 beim Verkehrsministerium in Berlin jedoch für eine Einhausung der geplanten A 44-Trasse bei Kaufungen eingesetzt. Sinemus weist diese Darstellung zurück: „Hessen hat eine solche Einhausung im Zusammenhang mit der VKE 11 im Bereich Kaufungen nie vorgeschlagen“, teilte er auf eine entsprechende Anfrage mit.

Die sogenannte Einhausung sei eine aktive Schallschutzmaßnahme, bei der Kosten und Nutzen - also die Einhaltung von Grenzwerten - gegenübergestellt würden. Um die Lärmwerte für alle Häuser einzuhalten, müsste die Einhausung der Autobahn bei Kaufungen mindestens zwei Kilometer lang sein, meint der Hessen-Mobil-Sprecher. Die Kosten dafür seien immens und würden die Lösung eines passiven Lärmschutzes „um ein Vielfaches sehr deutlich überschreiten“.

Mit passivem Lärmschutz, für den sich Hessen Mobil stattdessen einsetzt, sind zum Beispiel Lärmschutzfenster gemeint. Sie sollen nach der aktuellen Autobahnplanung für jene Häuser finanziert werden, bei denen trotz der vorgesehenen Lärmschutzwälle und -wände sowie des eventuellen Einbaus von Flüsterasphalt die vorgeschriebenen Lärmgrenzwerte - besonders die niedrigeren Nachtwerte - nicht eingehalten werden können. Dies sei bei einigen Gebäuden in Kaufungen der Fall.

Ganz anders sei die Situation beim geplanten achtstreifigen Ausbau der A7 bei Kassel. Dort habe man dem Bundesverkehrsministerium eine Einhausung der Autobahn vorgeschlagen - erfolglos, Berlin habe dies aus Kostengründen abgelehnt. Dabei seien bei der A7 bei Kassel die Lärmprobleme „weitaus gravierender und es sind trotz der Realisierung der hohen Lärmschutzwände und des offenporigen Asphalts sehr viel mehr Bürger von Grenzwertüberschreitungen in den Nachtstunden betroffen“, so der Hessen-Mobil-Sprecher.

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