Debatte im Kreistag

Knappes Ja für Energie-Ehe zwischen Städtischen Werken und EAM 

Aus der Region für die Region: Die beiden Versorgungsunternehmen EAM und Städtische Werke Kassel arbeiten beim Vertrieb eng zusammen. Unter der Marke EAM werden gemeinsam Strom und Gas verkauft. Fotos: dpa, EAM, Städtische Werke /Montage: HNA

Kaufungen. Die Wogen schlugen hoch bei der gestrigen Debatte im Kreistag über die Kooperation des Regionalversorgers EAM und der Städtischen Werke Kassel beim Vertrieb von Strom und Gas. Doch nach kontroverser Debatte stimmten die Abgeordneten mit einer dünnen Mehrheit von 43 der 81 Stimmen zu.

In der Kreisspitze und der SPD-Fraktion, die im Kreistag keine eigene Mehrheit hat, war man sichtlich erleichtert. Denn im Haupt- und Finanzausschuss war das Vorhaben zuvor mit sechs zu fünf Stimmen abgelehnt worden. Im Kreistag stimmten neben der SPD auch die Linken, Piraten und Tierschützer zu; Union, Grüne, FWG und FDP lehnten ab. Die CDU kritisierte am Mittwoch während der Kreistagssitzung in Kaufungen, dass die EAM, die sich im Besitz von zwölf Landkreisen - darunter auch dem Landkreis Kassel - und der Stadt Göttingen befindet, den Vertrieb und die Kooperation mit den Kasseler Werken begonnen hat, lange bevor der Kreistag gestern darüber entschied. Von „Überrumpelung“ der Abgeordneten sprach Frank Williges (CDU), auch die Kunden würden in die Irre geführt und über die Beteiligungsverhältnisse getäuscht. Mit den Städtischen Werken werde „der regionale Hauptkonkurrent beteiligt“, kritisierte Williges.

Die Vorteile der Kooperation „liegen ganz klar bei den Werken“, meinte Albert Kauffeld (FWG). Die Städtischen Werke könnten ihr eigenes Vertriebsgeschäft weiterführen und profitierten obendrein zur Hälfe von neuen EAM-Kunden.

Das sah auch die FDP so. Skeptisch beurteilte Björn Sänger die Chancen für den EAM-Vertrieb: Die meisten Stromkunden wechselten aus Preisgründen; die von der EAM angestrebte Positionierung über regenerative Energien und regionale Wertschöpfung sei schwierig.

Das kommunale Unternehmen EAM steuere sich selbst, kritisierte Grünen-Sprecher Dr. Thomas Gudehus, die Kontrolle durch den Aufsichtsrat sei „ein stumpfes Schwert“.

Ein „geschäftsschädigendes Verhalten“ bescheinigte SPD-Fraktionsvorsitzender Dieter Lengemann dem CDU-Chef Williges, schließlich sei „die EAM unser eigenes Unternehmen“. Die Kooperation mit den Werken sei eine „intelligente Lösung“, so Lengemann. Er verwies auf den politischen Schaden, wenn der Kreis Kassel als drittgrößter Anteilseigner den Vertrieb ablehnen würde.

Landrat Uwe Schmidt (SPD) gab zu, dass die Informationspolitik „nicht so fadengerade gelaufen“ sei. Trotzdem warb er um Zustimmung: „Wir reden von einer riesigen Wertschöpfung in der Region von mehreren hundert Millionen Euro.“

„Wir wollen die Kritik am Verfahren nicht über die ökonomischen Fakten stellen“, sagte Dr. Christian Knoche (Linke). Und die sprächen auch wegen des großen Know-hows für die Kooperation mit den Werken.

Von Holger Schindler

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