Wasserverband sucht Lösung

Losse-Anrainer sind nicht vor einem zukünftigen Jahrhunderthochwasser geschützt

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Sprudelndes Hochwasser unter der Brücke am Kirchplatz in Niederkaufungen: Ende September 2007 war dort die Losse nach Starkregen über die Ufer getreten. 

Kaufungen /Helsa /Hessisch Lichtenau. Nicht viel hätte gefehlt, und wieder wären Keller vollgelaufen. Das war im Juli. Trotz Bemühungen in den vergangenen Jahren sind die Losse-Anrainer vor einem neuen Jahrhunderthochwasser nicht geschützt.

Dienstag, 27. Juli 2017, der Steinweg in Niederkaufungen. Über Stunden hatten sich schwere Gewitterwolken über dem Kaufunger Wald entladen, teilweise vielen Regenmengen von weit über 30 Litern pro Quadratmeter binnen 24 Stunden. Der völlig ausgetrocknete Boden vermochte so viel Wasser auf einmal nicht aufzunehmen. So floss das Nass oberirdisch ab und füllte die Losse – bis auf 1,74 Meter über den Normalpegel. Nur sechs Zentimeter haben gefehlt, und das Hochwasser von 2007 hätte sich wiederholt – mit vollgelaufenen Kellern und überfluteten Straßen.

Es ist nicht so selten, dass es an der Losse kritisch wird. Und manchmal kommt es richtig dicke wie beim Jahrhunderthochwasser 1969. Damals stand selbst das Rathaus in Kaufungen im Wasser, die Losse hatte die Leipziger Straße in einen Fluss verwandelt.

1969 war das Jahr der Zäsur, Hochwasserschutz wurde Thema. 1972 gründete sich der Wasserverband Losse mit den Mitgliedskommunen Kassel, Niestetal, Kaufungen, Helsa und Hessisch Lichtenau. Seither wird kontinuierlich am Hochwasserschutz entlang der Losse gearbeitet.

Arnim Ross

„In den vergangenen 15 Jahren waren dies vor allem Renaturierungsvorhaben zwischen Hessisch Lichtenau bis runter zum Lossedelta bei Kassel“, sagt Verbandsvorsteher Arnim Ross. Soll heißen: Dort, wo die Losse wegen wasserbaulicher Eingriffe ihren naturnahen Charakter verloren hat, wurde sie wieder in ihren Urzustand zurückversetzt. So wurden abschnittweise das Bachbett verbreitert, Engstellen entschärft, Mäander geschaffen und Überschwemmungszonen eingerichtet. „Bei Hochwassersituationen kann die Losse so viel mehr Wasser aufnehmen, bevor es durch die Ortslagen fließt“.

Musterprojekt am ehemaligen Sägewerk in Kaufungen

Ein Musterprojekt ist in dieser Hinsicht der neu angelegte Gewässerlauf im Bereich des ehemaligen Sägewerkes Riffer in Kaufungen. Hier wurde 2008 bis 2009 der alte, komplett in einem Betontrog gefasste Bachlauf zugeschüttet und ein rund 500 Meter langes, naturnahes Gewässerbett mit breitem Pufferstreifen angelegt. 67.000 Kubikmeter Erde wurden entnommen, dort kann jetzt Hochwasser wie in eine Wanne einfließen, ohne Schaden anzurichten. „Ohne dieses Projekt wäre jetzt im Sommer die Losse am Steinweg wieder über die Ufer getreten“, sagt Andreas Graf, Geschäftsführer des Wasserverbandes Losse. 1,63 Millionen Euro kostete das Projekt.

Überhaupt ist Hochwasserschutz teuer. Insgesamt hat der Wasserverband in den vergangenen 45 Jahren rund acht Millionen Euro investiert, so auch im Bereich der Lossemündung bei Kassel (1,04 Mio. Euro) und bei Hessisch Lichtenau (650.000 Euro). Das Land hat dabei 5,8 Millionen Euro gegeben, die restlichen 2,2 Millionen Euro steuerten die Verbandsmitglieder bei. „Alles steht und fällt mit den Fördermitteln“, sagt Ross, der gerne weitere Projekte zum Hochwasserschutz umsetzen würde. „Denn von einem effektiven Schutz vor einem Jahrhunderthochwasser sind wir noch ein gutes Stück entfernt“, sagt Ross.

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