Musik und Kunsthandwerk bei Stiftsweihnacht

Kaufungen. Dass die „Tulpen aus Amsterdam“, die Detlef Tillack am Wochenende aus seiner Drehorgel in den Stiftshof schickt, nicht unbedingt zur Jahreszeit passen, stört bei der Kaufunger Stiftsweihnacht nicht wirklich. Abgesehen von der frühlingshaften Melodie nämlich steht hier alles ganz im Zeichen des nahenden Festes, und dem können sich tausende Besucher unmöglich entziehen.

Die Jungen und Mädchen des IGS-Orchesters machten Musik.

Die Atmosphäre im Schatten des Gotteshauses ist einfach verzaubernd und dürfte in der Region ihresgleichen suchen. Hier hat der Kommerz die besinnliche Weihnachtsstimmung noch nicht plattgemacht, leuchten handgemachte Winterlandlandschaften statt billiger Asiakitsch entlang der Wege und verführen köstlich duftende Leckereien von Maronen bis Kartoffelpuffer anstelle von Fastfood und billiger Industriewurst.

Auch im zwölften Jahr des beliebten Weihnachtsmarktes ist es den Veranstaltern gelungen, ein kleines Winterparadies zu erschaffen und dabei qualitativ hochwertiges Handwerk mit regionaler Kunst zu verbinden. Töpferwaren, Handgestricktes, selbstgemachte Kerzen und vieles mehr landen da direkt aus den Händen der Hersteller in den Einkaufstaschen, einen netten Plausch gibt es kostenlos dazu, wie bei Annelie Bode aus Wahlsburg, die nicht nur Naturseife „aus Hand und Herz“ mit nach Kaufungen gebracht hat. Kräuterbäder, Seifen und Cremes betören bei ihr durch intensive Düfte und wunderschönes Aussehen, überzeugen noch dazu mit Inhaltsstoffen frei von Chemie. „Alle meine Rezepte wurden von mir persönlich entwickelt und getestet“, sagt Bode, für die Seifensiederei fast so etwas wie eine Sucht ist. „Hat man einmal damit angefangen, kann man nicht mehr aufhören zu erfinden und mit neuen Kräutern sowie Düften zu experimentieren.“

Verzaubert mit dem Duft frisch gerösteter Maronen: Vanessa Schuster.

Ute Bischoff geht es da ähnlich, allerdings feilt sie lieber an Rezepten für Gaumenfreuden der besonderen Art. Ihre ungarischen Baumkuchen, ein traditionelles siebenbürgisches Gebäck, werden normalerweise auf Buchenholz über offenem Feuer gebacken, mundet aber auch aus dem Gasofen der Hobbybäckerin. „Der Hefeteig wird ausgerollt, in Streifen geschnitten, auf eine Holzrolle gewickelt, mit Öl bestrichen und in Zucker gewälzt, der beim Backvorgang karamellisiert“, erklärt sie. „Nach vier bis fünf Minuten ist er fertig und darf dann noch mit Zimt und Zucker, Kokos, Krokant, Liebesperlen, Schokolade oder Nüssen verfeinert werden.“

Bischoff hat sogar eine herzhafte Variante mit Speck und Zwiebeln kreiert, die ihrer Meinung nach in Ungarn zwar eher verwundern würde, in Kaufungen aber bestens ankommt und bei der reichen Musikauswahl, die von verschiedenen Bühnen durch die Stadt klingt, gleich doppelt so gut schmeckt – auch zu Frühlingsmelodien aus der Drehorgel.

Rubriklistenbild: © Hoffmann

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