Sechs nordhessische Stadtwerke arbeiten zusammen

Neuer Windpark Kreuzstein: Im Wald wird Platz gemacht 

Helsa/Kaufungen. Die Windräder des Windparks Kreuzstein sollen einmal 22.500 Haushalte in Kassel mit Strom versorgen. Anfang Dezember werden die ersten Teile der Windräder kommen. Ein Blick auf die Baustelle tief im Kaufunger Wald.

Wo bald acht Windkrafträder stehen werden, findet man aktuell Matsch vor: Im Kaufunger Wald, etwa sechs Kilometer vom Parkplatz Königsalm bei Nieste entfernt, entsteht der Windpark Kreuzstein. Anfang Dezember sollen die ersten Lastwagen mit Turmteilen anrollen. Jetzt wird Platz geschaffen.

Dabei sind es gar nicht in erster Linie die Windräder, die die Fläche brauchen, sondern die Kräne, die die riesigen Komponenten hochziehen werden. An einer Stelle in 500 Metern Höhe sieht es deshalb derzeit so aus, als würde der Wald aufgeräumt. Es werden acht Fußballfeld-große Flächen von etwa 7000 Quadratmetern geschaffen. Dazu wurden Bäume gefällt, die sich jetzt am Wegrand in die Höhe stapeln. Bagger bringen die Fläche auf eine Höhe mit dem Weg, auf dem die Lkw angerollt kommen.

Sturmschäden genutzt

Bei der Festlegung der Windrad-Standorte habe man die Stellen im Wald berücksichtigt, an denen Stürme, wie 2007 der Orkan Kyrill, bereits Bäume umgelegt haben, sagt Tobias Eigenbrod, Projektentwickler Wind bei den Städtischen Werken Kassel. Martin Rohmund, Techniker für Neue Energien bei den Stadtwerken Eschwege, merkt an, dass es sich bei den gefällten Bäumen vor allem um Nadelholz gehandelt habe, nicht etwa um hochwertigeres Hartholz wie Buchen oder Eichen. Eigenbrod und Rohmund sind die beiden Geschäftsführer der Windpark Kreuzstein GmbH (WPK) mit Sitz in Eschwege, einer Schwestergesellschaft der Stadtwerke Union Nordhessen (SUN). Von den 7000 Quadratmeter großen Flächen bleiben nach dem Aufbau der Windräder etwa 3000 Quadratmeter erhalten – der Rest werde wieder aufgeforstet, so Eigenbrod.

Auf um die 80 Lkw-Schwertransporte pro Windkraftanlage schätzt der Wirtschaftsingenieur die Anlieferung. Damit die Lastwagen bis zu den Standorten fahren können, wird der Forstweg derzeit mit Schotter auf 4,5 Meter verbreitert und für die hohen Lasten stabilisiert. 25 Jahre lang werden die Wege in diesem Zustand belassen, das ist die Betriebsdauer der Windkraftanlagen. 10,5 Meter Waldweg bestanden bereits – laut Eigenbrod hat das die Sache wesentlich vereinfacht. Die meisten Bäume mussten an den insgesamt 600 Metern Abzweigungen vom Hauptweg weichen, auf denen die Windräder stehen werden. Bis Dezember müssen noch vereinzelt Kurven erweitert werden, damit die Lkw durchkommen. Unweit der Königsalm dient ein Wertholzlagerplatz als Logistikfläche, auf der Komponenten beim Transport zwischengelagert werden können.

Von Dezember 2016 bis ins dritte Quartal 2017 hinein sollen die Anlagen dann aufgebaut werden. Es sind Schwachwindräder – denn anders als an der Küste wird der Wind von den Bäumen gebremst, erzählt Martin Rohmund.

207 Meter werden die Anlagen inklusive der Flügel hoch sein. Die von ihnen erzeugte Energie von 68 Mio. Kilowattstunden wird über eine zehn Kilometer lange Kabeltrasse in das Umspannwerk Stiftswald transportiert und von dort in das Kasseler Stromnetz eingespeist.

Natur wird entschädigt

Um der Natur etwas von dem zurückzugeben, was ihr genommen wurde, verpflichtet sich die Windpark Kreuzstein GmbH für Projekte, die der Natur zugute kommen. So werden im Tal der Nieste vier Teiche für den Schwarzstorch geschaffen, um das Nahrungsangebot für den seltenen Vogel aufzuwerten. Im Forstbezirk wird ein Moor wiederhergestellt und im Großalmeröder Ortsteil Rommerode wird eine landwirtschaftlich genutzte Fläche aufgeforstet. Festgelegt werden die Ausgleichsmaßnahmen in Absprache mit dem RP Kassel, weil das Land Hessen Eigentümer des Waldgebietes ist.

Hintergrund 

Der Windpark Kreuzstein soll aus acht Anlagen der Drei-Megawatt-Klasse bestehen. Bauherr des Windparks ist die Windpark Kreuzstein GmbH & Co. KG, ein Gemeinschaftsunternehmen der sechs nordhessischen Stadtwerke aus Bad Sooden-Allendorf, Eschwege, Homberg (Efze), Kassel, Witzenhausen und Wolfhagen. Sie haben mit der Stadtwerke Union Nordhessen (SUN) 2011 ein erstes gemeinsames Unternehmen gegründet, um Interessen zu bündeln und gemeinsam Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien zu realisieren.

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