Jahrelange Bastelarbeit

Oldtimer-Fans holten ihr Traumauto vom Schrottplatz

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Begeistert von der Form seines Autos: Bernd Schaefer mit seinem Porsche 356 C aus dem Jahr 1964.

Kreis Kassel. Peter Boll (74) und Bernd Schaefer (75) haben ein Faible für Oldtimer aus dem Premium-Segment. Und obwohl ihr Verein, die Oldtimer-Freunde Kaufungen, die Saison erst im Mai beginnt, haben sie ihre Boliden bereits jetzt aus dem Winterschlaf geholt.

Bolls Stolz ist ein Jaguar XK 120 DHC Baujahr 1953. Lässt der Mann aus Kaufungen das dunkelgrüne Cabriolet an, erklingt das tiefe, freche Röhren eines sechs-Zylinder-Motors. Der bringt bei 3,4 Litern 160 PS auf die Straße. Besonders an dem Auto: Er war mit einem gefütterten Stoffdach ausgestattet, isoliert und leicht. Davon wurden nur rund 1250 Exemplare gebaut. „Ich habe den Wagen 1993 von einem Schrottplatz in München geholt“, erzählt Diplom-Ingenieur Peter Boll.

Am Eingangstor sah er eine Motorhaube und sie sofort als eine von Jaguar erkannt. „Wenn die Haube da ist, muss der Rest des Autos auch irgendwo sein“, habe er gedacht.

Weil er bereits in jungen Jahren Rallyes mit englischen Autos gefahren war, nahm seine Geschichte mit dem Jaguar rasant Fahrt auf: Ohne langes Zögern kaufte er das Auto. Allerdings fehlten Kühler, Lampen, Sitze, Dachgestell, Amaturenbrett und vieles mehr. Also baute er den Jaguar neu auf: Es sei schwierig gewesen, Ersatzteile zu finden. „Man musste viele Leute kennen und rumtelefonieren“, sagt Boll.

Vier Jahre gebastelt

3000 Arbeitsstunden und vier Jahre später konnte er den fahrtüchtigen Jaguar sein Eigen nennen. Fünfmal im Jahr fährt er auf Oldtimer-Rallyes: dabei sein ist alles. Verkaufen würde er den Jaguar nie: „Da ist so viel Herzblut drin, da kenne ich jede Schraube.“

Der gelernte Kfz-Meister Bernd Schaefer ist mit Porsche unterwegs. Genauer gesagt einem Porsche 356 C aus dem Jahr 1964. Der Wagen ist mit einem Heckmotor ausgestattet, so wie beim Käfer. Allerdings nicht mit den Käfer-üblichen 34 PS, sondern mit 75 PS und 1,6 Litern Hubraum. Das brachte den Wagen auf immerhin 175 km/h.

Mit 21 den ersten Porsche

Warum der Lohfeldener Schaefer einen solchen Oldtimer fährt? „Mit 21 habe ich mir meinen ersten Porsche aus der Baureihe gekauft. Das waren damals alte Autos, die keiner mehr haben wollte“, sagt Schaefer. Die Form habe es ihm so sehr angetan, dass er seitdem nicht mehr davon losgekommen ist: Das feuerrote aktuelle Modell ist bereits sein fünfter. Er kaufte das Auto vor 30 Jahren in Kassel.

Auch er musste dem Porsche, damals ein Schrotthaufen, erst neues Leben einhauchen, bevor er damit pure Fahrfreude erleben konnte. Schaefer erneuerte Kupplung und Kolben, Zylinder und Bremsen, beulte Blechteile aus oder formte sie teils selbst ganz neu.

Zwei Jahre lang steckte er jede freie Minute in das Auto. Beobachtet man ihn heute beim Fahren seines Porsche wird schnell klar: Das ist eine Liebe für’s Leben. Schaefer strahlt über das ganze Gesicht, wenn sich der Wagen, der übrigens nur 900 Kilogramm wiegt, elegant in die Kurve legt. „Porsche-PS sind doppelte PS“, sagt er, während stilecht die Musik von James Brown aus dem Autoradio tönt.

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