Ortsnah oder ortsfern

A44-Trasse: Uneinigkeit über Spareffekt

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Hier soll die Autobahn 44 verlaufen: Die aktuelle Planung des Landes sieht vor, die Fernstraße zwischen Oberkaufungen und Helsa auf der bestehenden Trasse der Bundesstraße 7 zu führen. Unser Foto zeigt den Straßenabschnitt östlich der Kunstmühle, der wegfallen soll. Archivfoto: Ketteritzsch

Kaufungen/Helsa. Für seine aktuelle Planung der Autobahn 44 im Abschnitt Kassel-Helsa veranschlagt das Land Hessen Kosten in Höhe von 204 Millionen Euro. Doch wie viel Geld würde tatsächlich weniger ausgegeben, wenn die A 44 auf der B 7 verlaufen würde? Nach Informationen der HNA liegen die Berechnungen des Bundesrechnungshofs und des Landes weit auseinander.

Über die aktuellen Kalkulationen gab Wolfgang Harms, Sprecher des Verkehrsministeriums in Wiesbaden, Auskunft. Vor über zwei Jahren machte der Bundesrechnungshof (BRH) dem Land Hessen in Sachen Autobahn 44 einen Strich durch die Rechnung: Die Pläne von Hessen Mobil für eine ortsferne Trasse bei Kaufungen wurden als zu teuer und als unwirtschaftlich eingestuft.

Die Bonner Finanzprüfer monierten den vorgesehenen parallelen Verlauf von Autobahn 44 und Bundesstraße 7 und legten dem Land nahe, seine Planung zu ändern. Die A 44, so lautet bis heute die Forderung des Rechnungshofs, soll auf der B 7-Trasse geführt werden.

Beim Bundesrechnungshof geht man dem Vernehmen nach davon aus, durch eine ortsnahe Trasse auf der Bundesstraße rund 30 Millionen Euro einsparen zu können. Die Straßenbaubehörde Hessen Mobil geht demgegenüber von einer wesentlich geringeren Einsparsumme aus.

Bei den Autobahnplanern kommt man dem Vernehmen nach zu dem Ergebnis, dass eine ortsnahe Trassenführung lediglich eine halb so hohe Ersparnis bringen würde, also lediglich rund 15 Millionen Euro.

Ungeachtet des Streits um die Kosteneinsparung hat das Land Hessen dem Bund als Zahler bereits im Februar 2012 mitgeteilt, dass man der Empfehlung des Rechnungshofs für eine Autobahn auf der B7-Trasse nicht folgen wird. Nach Einschätzung des Landes wäre eine derartige Lösung im Hinblick auf den Schutz der Kaufunger Bevölkerung vor Lärm rechtswidrig.

Aus den der HNA vorliegenden Informationen geht hervor, dass das für die Genehmigung der A 44-Planung zuständige Bundesverkehrsministerium die Kritik des Bundesrechnungshofs sehr ernst nimmt, für Oberkaufungen gleichwohl aber eine ortsnahe Trassenführung ablehnt.

Anders sieht es offenbar beim Abschnitt Niederkaufungen aus. Für diesen Bereich besteht den Informationen zufolge noch Klärungsbedarf. Hintergrund: Zwischen Kassel-Ost und Niederkaufungen ist die Bundesstraße 7 schon heute autobahnähnlich ausgebaut, in beiden Fahrtrichtungen gibt es zwei Fahrstreifen plus Standstreifen.

Bei seinem Besuch Ende März in Kaufungen hatte Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) bestätigt, dass es noch Differenzen zwischen dem Bundesrechnungshof und dem Land zum Abschnitt Niederkaufungen gibt. Das Land lehnt eine ortsnahe Trasse mit dem Hinweis auf den dann viel aufwendigeren Lärmschutz ab.

Von Peter Ketteritzsch

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