Bilanz nach gut einem halben Jahr

Pakt für den Nachmittag: Viele Kinder nutzen Betreuung im Kreis

+
Fingerhäkeln am Nachmittag: Niklas Stickelmann, Lucie Unasch und Mila Heußner aus Kaufungen von der Ernst-Abbe-Schule-Oberkaufungen. 

Kreis Kassel/Kaufungen. Drei Grundschulen nehmen seit gut  einem halben Jahr am Pakt für den Nachmittag teil. Wir wollten wissen: Wie läuft es bislang? Wir haben die Kaufunger Ernst-Abbe-Schule besucht und bei den anderen beiden Schulen nachgefragt.

Buntes Treiben herrscht am frühen Nachmittag in der Ernst-Abbe-Schule Oberkaufungen: Kinder tollen über den Schulhof – und in den Kreativraum hinein. Manche basteln hier einen Papp-Clown mit Gewichten, der auf der Nase balancieren kann, andere spielen in einer Sitzecke. Mittendrin sind Niklas, Lucie und Mila. Die drei Siebenjährigen aus der Klasse e2B hantieren mit Wolle. „Fingerhäkeln natürlich!“, sagt Mila auf die Frage, was sie da machen. Sie wickeln Wolle immer wieder um die Finger – wie durch Magie entsteht ein dichter Zopf. Wenn sie fertig sind, „spielen wir damit Pferd“, sagt Lucie. „Oder hängen das Zimmer so zu, dass die Eltern nicht mehr reinkommen“, sagt Niklas. 

Die Drei gehören zu den 197 Schülern der Ernst-Abbe-Schule, die das Angebot des Pakts für den Nachmittag regelmäßig wahrnehmen. Bei 276 Kindern sind das rund 71 Prozent. „Das Programm wird bei uns sehr gut angenommen“, sagt Schulleiterin Gabriele Worlikar. Den Wunsch nach einem Ganztagsangebot hätten die Eltern schon seit einer Weile geäußert, da sei der Pakt gerade recht gekommen. 

Jetzt werden die Kinder zwischen 7 und 17 Uhr betreut, wobei das Angebot zwischen 7.45 und 14.45 Uhr für die Eltern kostenfrei ist. Bislang habe es viele positive Rückmeldungen gegeben, da die Lehrkräfte die Kinder stärker einzeln fördern könnten, in der Lernzeit nach dem Mittagsessen oder im Kurs-Angebot in verschiedenen Räumen. Die Kinder könnten zum Beispiel zwischen Spielen im Brettspielraum, Yoga und Theater wählen. „Wir prüfen gerade noch, wie sich Anspannung und Entspannung für Kinder und Personal abwechseln“, räumt Worlikar ein. Daran arbeite man noch.

Ludwig-Emil-Grimm-Schule  in Fuldatal 

210 Schüler besuchen die Ludwig-Emil-Grimm-Schule in Fuldatal-Ihringshausen. Laut Ganztagskoordinatorin Susanne Sturmberg-Seeger nehmen 138 Kinder die drei kostenfreien Tage in Anspruch, an denen zwischen 7 und 16.30 Uhr Module wählbar sind. Nur rund 40 Kinder seien hingegen für die zwei kostenpflichtigen Tage in der Woche angemeldet. Wichtig sei ein familiärer Charakter: Die Kinder decken für die Mittagspause die Tische, um dann gemeinsam zu essen. Danach haben die Schüler die Wahl, was sie machen wollen. Sturmberg-Seeger sei zufrieden mit dem Pakt. Für die Zukunft gibt sie allerdings zu bedenken: „Kommen im neuen Schuljahr noch dreißig Kinder hinzu, wird es räumlich eng.“

Regenbogenschule in Lohfelden 

„Wir sehen unsere Aufgabe darin, die Kinder gut zu versorgen“, sagt Ilse Eckhardt, Leiterin der Regenbogenschule Lohfelden. Ein Team von insgesamt zwölf Lehrkräften und vier Mitarbeitern des ASB kümmere sich um 172 Schüler, die die Betreuungszeit zwischen 7 und 17 Uhr nutzen – rund 54 Prozent der 319 Kinder. „Die Schulen müssen heute auf gesellschaftlichen Bedarf reagieren“, betont Eckhardt, „und die Gebäude müssen an den Nachmittagen nicht leerstehen.“

Hintergrund: Pakt soll die Eltern entlasten

Im Schuljahr 2015/2016 startete das Land Hessen den „Pakt für den Nachmittag“. In diesem Pakt übernehmen Land und Schulträger erstmals gemeinsam Verantwortung für ein integriertes und passgenaues Bildungs- und Betreuungsangebot. Ziel: mehr Bildungsgerechtigkeit und eine bessere Förderung für Grundschüler sowie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die teilnehmenden Schulen bieten in der Woche von 7.30 bis 17 Uhr ein verlässliches und freiwilliges Bildungs- und Betreuungsangebot an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.