Rote Brühe in der Losse stammt von A44-Erddeponie am Hirschberg

Das Wasser ist rotbraun: Das Foto, das am 3. August aufgenommen wurde, zeigt den Wedemannbach in Helsa. Foto:  Rode/nh

Helsa. Es war ein gespenstisches Bild, das sich am Samstagvormittag an der Losse bei Helsa und Kaufungen bot: Für mehrere Stunden war das normalerweise klare Wasser des Flüsschens rotbraun eingefärbt.

Nachdem die Behörden zunächst über die Ursache für die Verunreinigung rätselten, kam am Dienstag Licht ins Dunkel: Der Schmutz, der der Losse die merkwürdige Farbe verlieh, stammt von der Erddeponie auf dem Gelände der früheren Zeche Hirschberg bei Wickenrode. Dort werden die Erdmassen abgeladen, die beim Bau des über vier Kilometer langen Hirschhagen-Tunnels der Autobahn 44 bei Eschenstruth anfallen. Bei Regen und wenn die Reservoires am Hirschberg voll sind, gerät mit feinsten Buntsandstein angereichertes Wasser aus den Rückhaltebecken und den noch nicht abgedeckten Teilen der Deponie in den Wedemannbach. Das bestätigte Helsas Bürgermeister Tilo Küthe (SPD) am Dienstag auf HNA-Anfrage.

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Der Bach entspringt unterhalb des Hirschbergs und führt dann durch Wickenrode weiter nach Helsa. Dort gelangt das rotbraune Wasser in die Losse. Das Flüsschen fließt weiter durch Kaufungen sowie durch den Kasseler Stadtteil Bettenhausen. Gegenüber von Wolfsanger mündet die Losse und mit ihr das rotbraune Wasser in die Fulda. „Der Wedemannbach war schon häufig derart eingefärbt“, sagte Bürgermeister Küthe. Das beweist auch ein Foto, das uns Winfried Rode aus Helsa zugesandt hat. Es zeigt rotbraunes Wasser am Stauwehr vor dem Abzweig zum Mühlgraben. Die Aufnahme stammt vom 3. August.

Obwohl ein von der Gemeinde beauftragter Gewässerschutzexperte laut Bürgermeister Küthe keine unmittelbare Gefahr für Mensch und Natur sieht, ist die Brühe vor allem für Wickenrode ein Problem. „Die Sedimente setzen sich im Bachbett ab und heben dieses immer weiter an“, erklärt der Bürgermeister. Die Folge: Die Gefahr von Überschwemmungen steigt. Gestern fand in Wickenrode ein Ortstermin mit Behördenvertretern statt, darunter Experten der für die Erdtransporte zuständigen Straßenbauverwaltung Hessen Mobil.

Küthe lässt keinen Zweifel daran, dass das Problem gelöst werden muss: „Wir brauchen eine rechtliche Klärung.“ Erschwert wird eine Lösung nach seiner Einschätzung, weil die Genehmigung für die Einleitung des Wassers noch aus den aktiven Zeiten der Zeche Hirschberg stammt. Bei Hessen Mobil macht man der Gemeinde nicht viel Hoffnung auf eine schnelle Änderung der Situation. Diese werden sich erst spürbar entspannen, wenn die Deponie rekultiviert und die Erdmassen aus dem Tunnel abgedeckt seien, so Sprecher Horst Sinemus. Bis daher könne es bei Starkregen weiterhin zu Verfärbungen durch das „sehr, sehr feine Material“ kommen.

Von Peter Ketteritzsch

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