Gigantische Verschwendung von Steuergeld

RTL-Entertainer testete Autobahn bei Kassel - Barth: A44 ist überflüssig

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Mario Barth

Kaufungen/Helsa/Hess. Lichtenau. Das Fazit von Mario Barth fiel vernichtend aus: Der Weiterbau der A 44 nach Osten sei eine gigantische Verschwendung von fast zwei Milliarden Euro Steuergeld und außerdem vollkommen überflüssig.

Autofahrer seien nach Fertigstellung der Autobahn nur 20 bis 30 Minuten schneller von Kassel in Eisenach als auf der bestehenden B 7, sagte der Entertainer am Mittwochabend in seiner Sendung „Mario Barth deckt auf“.

Aktualisiert um 15.45 Uhr

4,4 Mio. Zuschauer 4,4 Millionen Zuschauer verfolgten die Sendung des selbst ernannten Volkstribuns – eine hervorragende Quote von 20,3 Prozent. In gewohnt flapsiger Weise machte sich der Comedian mit der Berliner Schnauze über die Autobahnpläne lustig. Wie er bei seinem Fahrtest auf dem einzigen bisher fertigen, rund sechs Kilometer langen Teilstück festgestellt habe, handele es sich um „die schönste, geilste Autobahn – mit Flüsterasphalt und erotischen Leitplanken“. In Gesprächen mit dem Nabu-Kreisvorsitzenden Konrad Volkhardt und dem Kaufunger Dr.

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Wolfram Glaß (Bürgerinitiative Pro A 44) blätterte er die Faktoren auf, die die Autobahn zur teuersten in der Republik machen. Dr. Glaß erläuterte eine 14 Kilometer kürzere Trasse durch die Söhre, die 400 Mio. Euro billiger wäre. Mit einem lebenden Kammmolch in der Hand rechnete Barth vor, dass jedes der vermuteten 5000 Tierchen 10.000 Euro wert sei.

Denn wegen der geschützten Amphibien hatte der Bund zwei ursprünglich geplante kleinere Tunnel zu einem 4,2 Kilometer langen Bauwerk zusammengefasst. Mehrkosten: 50 Millionen Euro. Tempo 80 auf Autobahn Weitere Kritikpunkte: Durch die Verschiebung der Trasse näher an die Gemeinde Kaufungen werde zusätzlicher Lärmschutz notwendig. Mehrkosten: 7,8 Mio. Euro. Außerdem habe sich die Notwendigkeit für eine Autobahn erübrigt, entgegen früherer Prognosen gehe man bei Kaufungen nur von 13 000 Fahrzeugen aus. Mit den geschätzten Baukosten von zwei Milliarden Euro könne man 625.000 Kita-Plätze oder 14.000 Feuerwehrautos finanzieren – „für etwas, das kein Mensch braucht“, so Barth. Für ungläubiges Staunen im Publikum sorgte er mit der Information, dass man auf der neuen Autobahn nur 80 km/h fahren dürfe, während auf der B 7 Tempo 100 erlaubt sei.

Das hessische Verkehrsministerium wies diese Darstellung auf Anfrage der HNA zurück. „In den Tunneln ist die Geschwindigkeit auf 80 km/h begrenzt, außerhalb der Tunnel ist keine Tempobegrenzung vorgesehen“, sagte Ministeriumssprecher Wolfgang Harms in Wiesbaden. Mehr als 20 Prozent der über 60 Kilometer langen Strecke verlaufen im Tunnel (insgesamt 14 Kilometer).

Das sagt das Ministerium Obwohl die Länge der Strecke von A 44 und B 7 zwischen Kassel und Eisenach nahezu gleich ist, seien Autofahrer auf der Autobahn 25 Minuten schneller (38 Prozent) als auf der Bundesstraße, sagte der Sprecher des hessischen Verkehrsministeriums, Wolfgang Harms, auf Anfrage der HNA. Die auf RTL genannte Zahl von 13.000 Fahrzeugen auf der A 44 wies Harms zurück. Die Prognose 2025 gehe für den Abschnitt Kassel – Kaufungen von täglich 41.900 Wagen aus, für Kaufungen – Helsa von 36.400 Wagen. Darin enthalten seien 13.600 Fahrzeuge im Durchgangsverkehr, sie befahren also die gesamte Strecke von Kassel nach Eisenach. Der Rest befahre nur eine Teilstrecke. Auf Weisung des Bundesverkehrsministeriums müssen die Zahlen aktualisiert werden, eine neue Prognose für 2030 werde erstellt.

Zum Lärmschutz bei Kaufungen könne man derzeit keine Aussagen treffen, da sich dieser auch nach der Verkehrsprognose richte. Das Land habe bei Eschenstruth ursprünglich zwei kürzere Tunnel vorgesehen, so Harms, der Bund habe 2002 aber die Verbindung zu einem längeren Tunnel verlangt. Hintergrund ist das damals verschärfte Naturschutzrecht der EU.

Von Holger Schindler

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