2200 Euro verloren

Kauf war Schuss in den Ofen: Seniorin wartet seit einem Jahr auf Lieferung

Verärgert: Johanna Hein am Stand des Ofenbauers Kago auf der Frühjahrsausstellung. Kago hatte ihr den vor einem Jahr auf der Messe bestellten Ofen nie geliefert und die Anzahlung behalten. Foto: Ludwig

Kassel. Es ist ein Jahr her, dass die Kaufungerin Johanna Hein (74) auf der Kasseler Frühjahrsausstellung einen Kachelofen bestellte.

Fündig wurde die Rentnerin am Stand der Firma Kago aus der Oberpfalz. Ihre Freude währte nur kurz. Nachdem sie zwei Wochen später 2200 Euro angezahlt hatte, wartete sie vergebens auf die Lieferung. Ihr Geld, für das sie einen Kredit aufnehmen musste, hat sie bis heute nicht zurück. Weil Kago auch bei der aktuellen Frühjahrsausstellung um Kunden wirbt, waren wir mit der Rentnerin noch einmal am Stand.

Die Kaufungerin ärgert sich, dass sie sich nicht vor ihrem Kauf über Kago informiert hatte. Denn das Internet ist voll von negativen Kundenberichten und Zeitungsartikeln über fragwürdige Methoden der Firma, die zwischenzeitlich insolvent war. Johanna Hein hätte sich viel Frust ersparen können: Denn nach ihrer Anzahlung wurde sie nur noch hingehalten.

Ausreden über Ausreden 

Erst hieß es, es gebe Lieferschwierigkeiten, dann sollte sie einen alternativen Ofen bekommen. Aber auch der war plötzlich nicht mehr lieferbar. Im Herbst wurde die 74-Jährige unruhig. Sie hatte ihren alten Ofen bereits abgebaut und brauchte vor dem Winter dringend Ersatz. Als der im November immer noch nicht da war, wollte sie ihren Auftrag stornieren. Dies wurde ihr von Kago Mitte November auch schriftlich bestätigt. Ihr werde die Anzahlung zurücküberwiesen, hieß es.

Als im Januar immer noch kein Geld da war, schaltete sie die Anwältin Annika Hergesell aus Kassel ein. Diese hat bereits zwei Fristen gesetzt, die Kago verstreichen ließ. „Der nächste Schritt ist eine Klage oder ein Mahnbescheid“, sagt Hergesell. Es sei ihr zweiter Fall im Zusammenhang mit Kago. Ein weiterer Mandant habe ebenfalls auf der Frühjahrausstellung bei Kago einen Vertrag abgeschlossen und die Ware nie erhalten. Dieser habe seine Anzahlung nach Anwaltsschreiben zurückbekommen.

Diese Hoffnung machte ein Kago-Verkaufsberater auch Johanna Hein, als wir sie nun zum Messestand der Firma begleiteten. Der HNA-Mitarbeiter gab sich dabei nicht als solcher zu erkennen. Der Berater sagte, er verstehe ihren Ärger. Wenn sie einen Anwalt eingeschaltet habe, erhalte sie ihr Geld zurück. Die Firma habe durch eine Insolvenz 2009/ 2010 Probleme gehabt, aber jetzt sei dies vorüber. „Wir sind eine große Firma, machen Sie sich keine Sorgen.“

Die Kaufungerin macht sich aber Sorgen. Auch deshalb, weil ihr Lebensgefährte Kurt Eisen bei unserem Besuch als Interessent am Kago-Stand auftrat. Auch ihm bot man einen Ofen mit Messerabatt für 3990 Euro an. Noch vor der Lieferung sollte auch er 50 Prozent der Summe anzahlen. „Die leben von unserem angezahlten Geld“, sagt Hein.

Einen Ofen hat sie inzwischen von einer anderen Firma. Der war innerhalb eines Monats geliefert.

Kago bleibt stumm

Auf eine HNA-Anfrage zum Fall von Johanna Hein, die wir am Dienstagnachmittag an Kago stellten, erhielten wir bis gestern Abend keine Stellungnahme. Die Messe Kassel GmbH wollte die Geschäftspraktiken des Ausstellers Kago nicht kommentieren, weil man diese nicht kenne.

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