Stellwerk in Oberkaufungen: Sicherheit durch neue Technik

Steuerzentrale für den Notfall: Mike Heinemann kann auf dem Bildschirm sehen, welche Gleisstrecken gesperrt und welche freigegeben sind. Fotos: Dilling

Kaufungen. Das automatische Stellwerk in Oberkaufungen wurde am Wochenende mit neuer Technik ausgestattet. Dazu musste die Lossetalstrecke für den Tramverkehr gesperrt werden.

Ein Straßenbahnführer übersieht ein Signal und prallt mit seinem Zug auf einem eingleisigen Abschnitt im Lossetal auf eine entgegenkommende Bahn. Eine Weiche schließt zu spät und bringt eine gerade darüberfahrende Straßenbahn zum Entgleisen - das sind Albträume für Straßenbahner. Kleiderschrankhohe Kästen im vollelektronischen Stellwerk Oberkaufungen sorgen mit dafür, dass dieser Albtraum nicht Wirklichkeit werden kann.

In dem Stellwerk laufen die Informationen zusammen, die viele Sensoren an den Gleisen über die Standorte der Bahnen und den Zustand der Weichen liefern.

Doch am Wochenende stand das Herz der Sicherheit des Straßenbahnverkehrs an der Losse still. Techniker der Firma Siemens tauschten einen Kabelanschlusskasten gegen neue Technik aus. Klingt simpel, doch dahinter steckt ein gewaltiger Aufwand: Die Straßenbahnen konnten wegen der abgeschalteten Signalanlagen nicht fahren, ein Busersatzverkehr musste organisiert werden.

Probeläufe und eine Endabnahme durch einen Eisenbahn-Sachverständigen waren nötig. Das kostet Zeit und vor allem viel Geld. Alles in allem mehr als 200 000 Euro, schätzt Mike Heinemann, stellvertretender Betriebsleiter bei der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG). Diese Summe muss die Regionalbahn Kurhessen (RBK), an der die KVG mit 50 Prozent beteiligt ist, als Betreiber der Strecke aufbringen. Außerdem habe der Austausch des Kastens ein halbes Jahr Vorbereitung erfordert.

Dabei war der Kabelkasten gar nicht kaputt. Aber das Ende seiner Lebensdauer sei absehbar und es gebe kaum noch Ersatzteile für diese Baugruppe, so Heinemann.

Sicherheit kostet viel Geld. Dennoch versuchen die Anteilseigner der RBK, auch in diesem Bereich sparsam zu wirtschaften: Der alte Kabelkasten wird als Ersatzteillager für zwei weitere Anlagen verwendet, die erst in den kommenden Jahren durch neue Technik ersetzt werden sollen.

Wichtige Komponenten für die Sicherheit der Fahrgäste sind die 16 Achszählkreise entlang der Lossetalstrecke: Sensoren zählen die Achsen der in einen Streckenabschnitt ein- und ausfahrenden Bahnen. Gibt es da Abweichungen vom „Soll“, weiß das elektronische System, dass etwas nicht stimmt. Die Trams auf den entsprechenden Strecken werden dann automatisch bis zum Halt abgebremst.

Gesteuert wird das Ganze von der Leitstelle der KVG im Betriebshof Wilhelmshöhe. Wenn die Kommunikation zwischen Stellwerk und Betriebshof gestört sei, könne man das Steuerungssystem auch vom Stellwerk selbst aus bedienen, sagt Heinemann. Auch für einen Stromausfall sei man gewappnet. Dann werde automatisch auf Batteriebetrieb umgeschaltet, danach auf ein Notstromaggregat.

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