In Kaufungen mit 140 Tieren

Solar-Stiens hat Mastbetrieb mit Bullen aufgebaut

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Hochmoderne Stallanlagen: Das frische Stroh rieselt von der Decke auf die in Altersgruppen untergebrachten Tiere. Das Klima wird ohne Heizung vollautomatisch geregelt. Nur das Ausmisten müssen Georg Stiens und seine Partner, die benachbarten Milchbauern Christian und Wolfhard Nixdorf, noch selbst übernehmen.

Kaufungen. Der erfolgreiche Solartechnik-Unternehmer und Landwirt Georg Stiens hat in Kaufungen einen Bullenmastbetrieb mit 140 Tieren aufgebaut. Er setzt auf hohe Qualität und Direktvermarktung.

Als Georg Stiens 2010 beim Landwirtschaftsamt in Hofgeismar mit der Idee vorstellig wurde, eine Bullenmast in Kaufungen aufbauen zu wollen, stieß er auf schieren Unglauben: Da will jemand in Zeiten des Höfesterbens einen völlig neuen Betrieb auf die Beine stellen?

„Das konnten die sich nicht vorstellen, dass so etwas wirtschaftlich zu betreiben ist“, schmunzelt der 48-jährige Firmenchef heute, der sich mit seinem Solartechnik-Unternehmen das notwendige Kleingeld für die Verwirklichung seines Traumes vom eigenen landwirtschaftlichen Betrieb auf der Merkelkaute nahe Oberkaufungen verdient hat.

Denn eigentlich ist der Bauernsohn aus dem Münsterland und studierte Betriebswirt mit Leib und Seele Landwirt. Geflügel- und Schweinezucht kamen nicht infrage, aber: „Bullen sind so schöne Tiere.“

Zwei große Ställe

Autarke Stromversorgung: Alle Dächer des Anwesens auf der Merkelkaute bei Oberkaufungen sind mit Solaranlagen versehen. Dank Batteriespeicherung kommt der Betrieb komplett mit der eigenen Energie aus. Foto: Stier

Heute, fünf Jahre später, steht auf der Merkelkaute die wohl modernste BullenmastanlageDeutschlands. 140 Bullen der Rassen Limousin und Simmentaler Fleckvieh stehen in zwei großen, hellen Ställen auf frischem Stroh, das über ein Rohrsystem mit Einstreuautomatik von der Decke rieselt. Auf den einfacher zu handhabenden Spaltenboden wurde im Sinne artgerechter Haltung verzichtet. Die Folge: Weniger Verletzungen, weniger Stress, höhere Fleischqualität. Stiens: „Einen Tierarzt brauche ich fast nie.“

Die meiste Arbeit in den Ställen übernehmen die benachbarten Milchvieh-Bauern Christian und Wolfhard Nixdorf. Allerdings will Georg Stiens künftig seinen Arbeitsschwerpunkt auch selbst stärker auf die Bullenmast legen.

Sein Ziel für die nächsten fünf Jahre: Das Fleisch soll komplett direkt vermarktet werden, denn: „Für den Schlachthof ist es viel zu schade. Da wird die gute mit der minderen Qualität gemischt. Das will ich nicht mehr.“

700 Kilo Fleisch vermarktet 

Derzeit werden jede Woche zwei Bullen in Witzenhausen geschlachtet, 700 Kilo Fleisch werden dann vom Schlachthof und von Stiens selbst vermarktet. Hinzu kommt ein Bulle pro Woche, den der Kaufunger Metzger Jörg Wiegand schlachtet und vermarktet.

In fünf Jahren will Stiens weitgehend auf die Limousin-Bullen umgestellt haben. Bei dieser französischen Rasse werden die Rinder sechs bis sieben Monate von der Mutter gesäugt. Das ist aufwendiger, führt aber zu einer deutlich besseren Fleischqualität.

Gefüttert werden alle Tiere schon heute ausschließlich mit Mais, Grassilage und Heu. „Das ist fast Bio“, sagt Stiens, der das Prädikat wegen des fehlenden Weidegangs nicht erreichen kann. Künftig sollen zwar einige Rinder auch auf den Koppeln rund um die Bullenmast in Oberkaufungen weiden können, doch für alle Tiere geht das nicht: „Meine Weiden sind zu weit weg und es ist viel zu gefährlich, alle Tiere draußen zu haben.“ Die 700 Kilo schweren Kolosse könnten ausbrechen und dann eine echte Gefahr darstellen. Stiens: „Zum Glück wissen die Tiere ja nicht, wie stark sie wirklich sind.“

Infos: www.stiens-agrar.de

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