Stiftskirche: Böse Überraschung unterm Fußboden

Neuer Bauabschnitt: Dekanin Carmen Jelinek und Architekt Martin Burischek beraten über die anstehende Sanierung des Kircheninneren. Dafür wird das 990 Jahre alte Gotteshaus Mitte September geschlossen. Fotos: Ketteritzsch

Kaufungen. Bei der Sanierung der Stiftskirche in Oberkaufungen wurden umweltschädliche Teerrückstände in der alten Dämmung gefunden.

Es war eine Hiobsbotschaft, die Dekanin Carmen Jelinek jetzt erhielt: Bei der Untersuchung des Fußbodens in der Oberkaufunger Stiftskirche, der samt Heizung erneuert werden soll, machten Architekt Martin Burischek und die Bauarbeiter eine beunruhigende Entdeckung: Der Estrich unter den Fliesen lagert auf einer Dämmschicht aus Kork, der mit Teer gebunden wurde - ein umweltgefährdendes Relikt der letzten Kirchensanierung Anfang der 1970er-Jahre.

Die Folgen der Entdeckung sind erheblich. Die Dämmschicht muss unter hohen Sicherheitsvorkehrungen entfernt werden. „Es kommt eine spezielle Kabine zum Einsatz, in der Unterdruck herrscht, damit nichts entweichen kann“, sagt Architekt Burischek. „Die Arbeiter werden Schutzanzüge tragen.“

Gegen Wasserschäden: Rund um die Kirche wird eine Pflasterrinne angelegt.

Der unerwartet große Aufwand bei der Entfernung des Kirchenbodens treibt die Kosten in die Höhe. Statt 50.000 Euro für die Beseitigung der Fliesen und der 2,5 Zentimeter starken Heizungsrohre rechnet Burischek nun mit 90.000 Euro. Während die Innensanierung nach dem 13. September beginnen wird, rückt bereits in der kommenden Woche im Außenbereich der Kirche der Bagger an. Dieser wird entlang der Außenmauern das Erdreich wegbaggern. Dann wird auf einer Länge von über 100 Metern einmal um die Kirche eine Pflasterrinne aus Basaltsteinen angelegt. Über sie wird unter anderem das von den riesigen Dachflächen abfließende Regenwasser in die Kanalisation abgeleitet. „Das soll verhindern, dass das Mauerwerk feucht wird“, sagt Burischek.

Umfangreich werden dabei die Arbeiten an der Südseite der Kirche ausfallen. Dort, wo ein weiterer Eingang zu dem Gotteshaus entstehen soll, wird das Erdreich in einem fünf Meter breiten Streifen 70 Zentimeter tief abgetragen.

Dekanin Jelinek treibt derweil auch die Gesamtfinanzierung des Projekts Sorgenfalten auf die Stirn. Erst vor Kurzem kam negative Kunde von der Europäischen Union: Für den geplanten, rund 200.000 Euro teuren Gemeinderaum unter der Kaiserempore gibt es kein Fördergeld aus dem Leader-Programm.

Wenn Jelinek, in Personalunion Vorsitzende des Bauausschusses und des Fördervereins Stiftskirche, rechnet, kommt sie auf eine ernüchternde Bilanz. Um alle Vorhaben umzusetzen, fehlen grob gerechnet noch immer knapp zwei Millionen Euro. Woher das Geld kommen soll, ist offen. „Wir hoffen auf Spenden“, sagte die Dekanin.

Sie setzt ihre Hoffnung aber auch auf die politische Gemeinde und verweist darauf, dass das Stiftsareal eine zentrale Bedeutung im Tourismuskonzept für Kaufungen spielt.

Im Zuge der Fußboden-Erneuerung wird übrigens nicht nach sterblichen Überresten der kaiserlichen Nonne Kunigunde gesucht. Die bei der letzten Sanierung eingebrachte Betonplatte werde nicht angerührt, so der Architekt. Wie berichtet, hatte ein Zeitzeuge gegenüber der HNA vom Fund eines Skeletts berichtet, und auch Historiker halten es durchaus für möglich, dass Kunigunde ihre letzte Ruhe nicht in Bamberg, sondern in Kaufungen gefunden hat. Archäologen werden gleichwohl im Stiftsbereich zum Einsatz kommen. Laut Architekt Burischek sind im Klostergarten Reste eines Plattenbelags gefunden worden, die man sich nun genauer ansehen will.

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