Eigener Weg für’s Annchen 

Straße in Kaufungen wird nach Mundartkünstlerin Almut Weingart benannt

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Kinder auf ihrem Weg begleiten: Das hat Almut Weingart zu Lebzeiten getan und das wird auch zukünftig so sein, wenn der Weg zur Kita Eulennest nach ihr benannt wird. Unser Bild zeigt ihren Mann Bernhard Weingart mit einem Foto auf Leinwand von Almut Weingart. Er steht auf dem Weg, der bald Teil des Almut-Weingart-Wegs sein soll. Im Hintergrund ist die Kita Eulennest zu sehen. 

Kaufungen. Dieses Jahr hätten sie Goldene Hochzeit gefeiert: Doch Almut Weingart – vielen bekannt als s’Annchen, die Putzfrau des Bürgermeisters – wurde im Januar 2016 nach langer Krankheit aus dem Leben mit ihrem Mann Bernhard gerissen. Mit 66 Jahren.

Schaut Weingart auf die Zeit mit seiner Frau zurück, ist er selbst erstaunt, wie viel sie in über 45 Jahren Ehe gemeinsam erlebt haben – und was seine Frau, die eng mit der Gemeinde Kaufungen und ihren Bürgern verbunden war, auf die Beine gestellt hat. Besonders angetan war er von ihrer Fähigkeit, Dinge in HNA-Kolumnen aber auch auf der Bühne als Büttenrednerin auf den Punkt zu bringen. 

„Die Zuschauer haben mit den Ohren gewackelt“, schildert der 76-Jährige, wenn sie für Sketche in die Rolle der Putzfrau Annchen schlüpfte und in nordhessischer Mundart schnuddelte. „So konnte sie die Sachen auf den Punkt bringen“. Und sie machte vor keinem Thema Halt: Ob es nun die nationale Politik war, eine Begebenheit im Ort, oder auch spannende Geschichten aus den Amtsstuben.

Da musste auch schon mal ein Hochzeitspaar dran glauben, das nichts von seinem Glück wusste. Plötzlich stand da bei der Feier eine Putzfrau auf ihrer Bühne, die das Paar anmeckerte und fragte, warum sie denn noch da seien. Schließlich wolle sie putzen. „Die Braut war außer sich und wollte meine Frau schon rausschmeißen“, sagt Weingart, während ihm ein Lachen über das Gesicht huscht. Es habe sich aber alles aufgeklärt – Weingart durfte ihren Sketch weiter aufführen.

Er war ihr Chauffeur

So waren Almut und Bernhard Weingart überall in der Region unterwegs – „von Göttingen bis Obersuhl“, sagt Weingart. Er war am Wochenende ihr Chauffeur: „Meine Frau hatte immer Vorbehalte gegen das Autofahren“.

Ständig seien seiner Frau neue Ideen für Sketche und Kolumnen gekommen. „Dafür ist sie nachts auch manchmal aufgewacht und musste ihren Einfällen Rechnung tragen und sofort ein Stenogramm erstellen“, sagt Weingart. Meist habe er das selbst gar nicht mitgekriegt. So habe sie möglichst schnell ihre Eindrücke zu Geschehnissen zu Papier gebracht, mit dem Gedanken: „Das ist jetzt noch heiß, da wissen die Leute noch was mit anzufangen.“

Aus dem gemeinsamen Haushalt sei allerdings nicht viel in die Sketche und Kolumnen eingeflossen, sagt Weingart. „Manchmal kam ich aber schon als der Erich vor“, gesteht der 76-Jährige. Noch hat die Kita Eulennest die Adresse Am Stechkopf 2. Das bald der Weg zur Kita und damit auch die Adresse nach seiner Frau benannt werden soll, ist für den ehemaligen Bauleiter der logische Schritt: „Sie hat sich auch viel für die Kinder in Kaufungen eingesetzt. Das ist eine tolle Würdigung“, sagt er. Bislang stehe laut Gemeinde noch nicht fest, wo genau der Weg entlangführt und wann die Benennung stattfindet. Das werde in den kommenden Wochen noch geklärt, teilte Iris Sager, Pressesprecherin der Gemeinde Kaufungen, auf Anfrage mit.

Almut Weingart (1949-2016) wuchs in Helsa auf. 1968 heiratete sie Bernhard Weingart und zog im selben Jahr mit ihm nach Kaufungen. Bis 1978 arbeitete sie erst in der Telefonzentrale der heute nicht mehr existierenden Kasseler Firma Hertel und Reuss und später in einem Architekturbüro. Als die Familie 1978 mit dem ersten Sohn und 1980 und ‘82 mit Töchtern wuchs, wurde Weingart Hausfrau. Bis zu ihrem plötzlichen Tod im Jahr 2016 engagierte sie sich intensiv in der Gemeinde Kaufungen. Weingart hinterließ ihren Mann und drei erwachsene Kinder.

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