Streit um geplanten Windpark am Sensenstein: Land will nicht reden

Niestetal. Das Land Hessen will den umstrittenen Windkraftstandort Sensenstein an der Kreisstraße 4 zwischen Heiligenrode und Nieste offenbar um jeden Preis verwirklichen.

Trotz der Drohung der Gemeinden Niestetal, Nieste und Kaufungen, gegen die Pläne des Osnabrücker Investors Deag für bis zu acht Windräder auf den Domänenflächen zu klagen (die HNA berichtete), ist das Wirtschaftsministerium nicht bereit, sich mit den drei Kommunen an einen Tisch zu setzen.

Ein Vermittlungsversuch des Niestetaler Landtagsabgeordneten Timon Gremmels (SPD) ist jetzt gescheitert. Gremmels, der auch Fraktionsvize in Wiesbaden und umweltpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion ist, hatte Wirtschaftsstaatssekretär Mathias Samson (Grüne) schriftlich gebeten, sich mit den Bürgermeistern Andreas Siebert (Niestetal), Edgar Paul (Nieste) und Arnim Roß (Kaufungen / alle SPD) zu einem Gespräch zu treffen.

Hintergrund: Samson ist Aufsichtsratsvorsitzender der Hessischen Landgesellschaft (HLG), die zu 100 Prozent dem Land gehört. Die HLG tritt als Verpächterin der Fläche bei Windhausen auf und würde auch die Pacht für die Windkraftanlagen kassieren.

Nach HNA-Informationen sieht Samson keinen Anlass für ein Gespräch mit den Bürgermeistern. Der Staatssekretär sieht dem Vernehmen nach keine neue Entwicklung für die HLG in der Angelegenheit und verweist auf laufende Verfahren zur Festlegung von Windkraftstandorten in der Region durch das Regierungspräsidium Kassel.

Landtagsabgeordneter Gremmels zeigte sich auf HNA-Anfrage verwundert darüber, dass seine Initiative nicht auf fruchtbaren Boden fällt. „In meiner sechsjährigen Zeit als Landtagsabgeordneter ist es das erste Mal, dass ein Staatssekretär beziehungsweise Minister einen Gesprächswunsch ausschlägt.“

Sollte die Regionalversammlung im Herbst dieses Jahres den Windkraftstandort Windhausen billigen, werden die drei Kommunen mit großer Wahrscheinlichkeit gegen die Errichtung der rund 200 Meter hohen Anlagen, mithin gegen den gesamten Regionalplan Energie klagen.

Hintergrund des Streits zwischen den Kommunen, der HLG und dem Land sind unterschiedliche Auffassungen über die Windleistung an dem Standort. Die Bürgermeister werfen dem Land vor, die Fläche zu vermarkten, obwohl die von Wiesbaden vorgeschriebenen 5,75 Meter pro Sekunde in 140 Meter Höhe nicht erreicht würden.

In einem von den Kommunen in Auftrag gegebenen Gutachten kommt das Kasseler Büro Cube Engineering zu dem Ergebnis, dass lediglich 5,52 Meter pro Sekunde erreicht werden. Der Investor Deag wiederum will 6,1 Meter pro Sekunde gemessen haben und hält das 45-Mio.-Euro-Projekt für wirtschaftlich.

Die Gemeinden Kaufungen und Nieste hatten nach entsprechenden Messungen eigene Pläne für einen Windpark am Sensenstein aufgegeben. Auch die Städtischen Werke Kassel hatten Pläne für einen Windpark wegen zu schlechter Messergebnisse ad acta gelegt.

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