Tina Hartung macht Selbsttest an der Töpferscheibe

Arbeiten an der Töpferscheibe: Während unsere Mitarbeiterin Tina Hartung (rechts) ihr handwerkliches Geschick beim Herstellen einer Müslischale unter Beweis stellte, bekam sie Hilfestellung von Keramikerin Reinhild Alber. Foto: b.f.

Kaufungen. Ob das alte Kunsthandwerk wirklich so einfach ist, testete Tina Hartung in der Keramikwerkstatt von Reinhild Alber und Frank Breiter in Kaufungen beim Tag der Töpferei.

In der Werkstatt riecht es nach Ton. Überall in den Regalen stehen halb fertige Tassen, Schüsseln und Teller zum Trocknen herum. Frank bereitet einen Klumpen Ton für mich vor. „Die Masse muss homogen sein“, erklärt Reinhild. Wenn der Ton nicht gleichmäßig feucht ist, lässt er sich nicht bearbeiten, verrät mir die Keramikerin.

Bevor ich selbst loslegen darf, zeigt sie mir, wie man es richtig macht. Im Handumdrehen zaubert sie aus dem klebrigen Klumpen eine wohlgeformte Müslischüssel. Ein Kinderspiel, denke ich mir im Stillen. Das kann ja nicht so schwer sein.

Während ich in meinen Gedanken verschiedene Formen durchgehe, die ich töpfern möchte, erklärt Reinhild, dass dieses Handwerk sehr schwer zu erlernen ist. Nach der dreijährigen Lehrzeit habe man zwar eine Basis, aber das richtige Können komme erst durch jahrelange Übung, sagt sie.

Habe ich mich vielleicht überschätzt? Voller Tatendrang setze ich mich an die Töpferscheibe. Mit meinen 1,75 Meter Körpergröße ist es nicht so einfach, eine bequeme Position zu finden. Während mein rechter Fuß durch Treten des Pedals die Scheibe in Bewegung setzt, gleitet der nasse und klitschige Tonklumpen durch meine Hände. Sorgenvoll schaue ich auf meine Jeans und die neuen Turnschuhe, die nun nicht mehr schwarz, sondern schwarz-weiß gepunktet sind. „Alles wasserlöslich“, beruhigt mich Reinhild.

Auf ihre Anweisungen bohre ich ein Loch in die Mitte, um ein Hohlgefäß zu bekommen. Gar nicht so einfach - mein erster Versuch endet mit einem Loch im Boden. Auch meine Bemühungen, die Seiten langsam hochzuziehen, scheitern kläglich. Die Scheibe wackelt, meine Finger sind sich ständig gegenseitig im Weg und Behutsamkeit scheint ein Fremdwort für mich zu sein.

Immerhin flog mein „Meisterstück“ nicht von der Scheibe. Allerdings hat es auch nichts mit einer Müslischüssel gemeinsam, sondern sieht eher wie der schiefe Turm von Pisa aus. Beim zweiten Mal geht es schon besser. Zumindest ist mein Werk als Schüssel zu erkennen - aber nur, weil Reinhild alle meine Fehler sofort ausgebügelt hat. Mein Fazit an diesem Tag: Demnächst werde ich das Töpfern wieder den Menschen überlassen, die es können.

Von Tina Hartung

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