Ungewöhnlicher Vorschlag: A44 im Lossetal einhausen und mit Solaranlagen bestücken

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Unten Autobahn, oben Solar-Kraftwerk: Die eingehauste A3 zwischen Hösbach und Aschaffenburg in Franken trägt Deutschlands wohl längste Photovoltaikanlage.

Kaufungen  / Aschaffenburg. In einer Art Trog mit einer Überdachung soll künftig auf mindestens zwei Kilometern Länge die Autobahn 44 bei Kaufungen verlaufen - das jedenfalls fordern Naturschützer und sehen darin eine geeignete Bauvariante, um die Lärmbelästigung im unteren Lossetal zu vermindern

Der Vorschlag wird zurzeit im Dialogverfahren zwischen dem Land, der Straßenbaubehörde Hessen Mobil und den A44-Anrainerkommunen diskutiert. In der Debatte über die so genannte Einhausung geht die Grüne Linke Liste Kaufungen (GLLK) jetzt noch einen Schritt weiter. Die Gruppierung, die mit drei Sitzen im Kaufunger Parlament vertreten ist, schlägt vor, eine A44-Einhausung mit einer riesigen Solaranlage zu bestücken, an der sich Bürger beteiligen können.

Die Solar-Autobahn ist keine fixe Idee der GLLK, sondern andernorts bereits Realität: Auf einer Länge von 2,7 Kilometern existiert auf der seit 2005 eingehausten A3 zwischen Hösbach und Aschaffenburg in Franken ein riesiges Solarstrom-Kraftwerk. Den Zuschlag bei der Ausschreibung erhielt das ortsansässige Elektrizitätswerk Goldbach-Hösbach, das versprochen hatte, „Deutschlands längste Photovoltaik-Anlage“ zu errichten. Die mittlerweile gegründete A3-Solargesellschaft erzielt nach eigenen Angaben mit der Autobahn inzwischen Einnahmen in Höhe von 600 000 Euro pro Jahr.

Die zehnfache Summe, also sechs Millionen Euro, wurden investiert, um die Anlage zu errichten. Das Gros der Summe (5,4 Millionen Euro) wurde von örtlichen Banken beziehungsweise durch die Beteiligung von Bürgern aufgebracht. Der Nutzungsvertrag mit der bayerischen Autobahnverwaltung läuft zunächst über 20 Jahre.

In der Solar-Autobahn steckt übrigens Technik aus Nordhessen. Die Wechselrichter, die den eingefangenen Gleichstrom in netztauglichen Wechselstrom umwandeln, stammen von dem Niestetaler Unternehmen SMA.

Einen entscheidenden Unterschied zwischen der A3 bei Aschaffenburg und der künftigen A44 bei Kaufungen hat die GLLK allerdings nicht berücksichtigt: Der Standort in Franken zählt zu einer der sonnenreichsten Regionen in Deutschland. Die Ausbeute an Solarenergie ist dort ungleich höher als sie bei einer Solar-Autobahn in Nordhessen wäre. Auch die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes wurde bei den Überlegungen offenbar ausgespart: Durch die Reduzierung der Einspeisevergütung sind neue Anlagen deutlich weniger lukrativ als noch vor wenigen Jahren.

Informationen: www.a3solar.de

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