Damals war vieles anders

Weihnachten in den 40er Jahren: Kaufunger erinnert sich - Geschenke gab es nur zum Fest

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Erinnert sich gern an früher: Bei Bernhard Weingart aus Kaufungen haben Spiele damals eine feste Rolle beim Weihnachtsfest eingenommen. In der Hand hält er Glaskugeln und eine Ausstechform für Plätzchen aus den 40er-Jahren.

Kaufungen. Der Kaufunger Bernhard Weingart erzählt, wie Weihnachten in seiner Familie in den 1940er-Jahren war.

Bernhard Weingart (75) erinnert sich gern an das Weihnachtsfest in seiner Kindheit zurück – auch wenn damals alles anders war. „Früher hatten wir noch einen richtigen Winter. Und auch an Weihnachten war es bitterkalt und oft verschneit“, sagt der Kaufunger. An den Fensterscheiben seien zentimeterdicke Eisblumen gewesen. „Es gab ja nur Einfachverglasung.“

Ein großer Unterschied zum heutigen Weihnachtsfest waren auch die Geschenksitten. „Als Kind habe ich nur das bekommen, was ich wirklich gebraucht habe“, sagt der 75-Jährige. Und das war natürlich kein Spielzeug, sondern Pullover, Hose oder Strümpfe. Gefreut über die Sachen hat sich Weingart aber umso mehr: „Damals gab es das ganze Jahr über keine Geschenke, wirklich nur an Weihnachten und zum Geburtstag. Das war dann schon etwas Besonderes.“

Der Heilige Abend sei in den 40er-Jahren und danach recht schlicht abgelaufen. „Am 24. Dezember haben wir alle ganz normal gearbeitet.“ Denn die Familie besaß Schweine, Ziegen und Gänse, die versorgt werden mussten. „Bei uns galt sowieso die Devise: erst die Tiere und danach der Mensch“. Das sei auch daran deutlich geworden, dass die Tiere jeden Morgen als allererstes Futter bekamen. Erst danach frühstückte die Familie.

Wenn die Arbeit am Weihnachtsabend dann erledigt war, ging es in die Kirche. Ein besonderes Essen gab es danach nicht. „Wir aßen das, was eben da war.“ Mehr Bedeutung hatten die Speisen am 1. Weihnachtstag. „Da gab es dann einen Braten.“

Eine Sache hat Weingart von damals übernommen: „Ich habe immer noch echte Kerzen an meinem Weihnachtsbaum, so wie früher.“ In seiner Kindheit sei der Baum im Gegensatz zu heute sehr klein gewesen. „Der stand bei uns immer auf der Nähmaschine, weil die über die Weihnachtstage nicht gebraucht wurde.“ Geschmückt wurde die Tanne mit Kugeln aus Glas und viel Lametta.

Zur Unterhaltung spielte man an den Weihnachtstagen in Weingarts Familie gern Spiele wie Halma, Mühle, Dame und Nüsse-Würfeln. „Letzteres war das einzige Spiel, das mein Vater mitgespielt hat, erinnert sich Weingart schmunzelnd.

Alles in allem habe das Fest der Liebe für ihn damals eine stärkere Bedeutung gehabt. „Heute ist immer alles verfügbar und es gibt das ganze Jahr über alle Dinge, die man möchte, zu kaufen. Es ist sehr viel auf Konsum ausgerichtet.“

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