Sie wollen keine Exoten sein

Handwerkerinnen wenden sich gegen Diskriminierung auf dem Bau

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Sie packen an: Bei Abrissarbeiten neben einem Wohnhaus war auch Mitorganisatorin Svenja Sorat (links) im Einsatz. Mit auf dem Bild sind Steinbildhauerin Meret Gerber (von links, 23) aus der Schweiz und Zimmermeisterin Maren Meyer-Kohlhus (40) aus Tönning in Schleswig-Holstein.

Kaufungen. Mehr als 60 im Baugewerbe tätige Frauen nehmen ab MIttwoch, 19. Februar,  am bundesweiten Bau-Handwerkerinnen-Treffen in Kaufungen teil. Das jährliche Treffen ging 1987 aus einer Initiative gegen das Berufsverbot für Frauen am Bau hervor.

Der herausragende Erfolg war die sieben Jahre später vom Gesetzgeber eingeführte rechtliche Gleichstellung von Frauen gegenüber berufstätigen Männern im Bauhauptgewerbe. Das 27. Treffen der Organisation findet ab heute bis zum Sonntag im Bereich des Fachwerk-Gebäudeensembles der Kommune Niederkaufungen statt. Die Teilnehmerinnen sind, soweit sie nicht mit dem Wohnmobil angereist sind, im Tagungshaus untergebracht. „Wir möchten erreichen, dass das Antreffen von Frauen auf dem Bau Normalität wird“, sagte Svenja Sorat.

Die 40-jährige Zimmerin und Pädagogin aus Wuppertal gehört dem Vorbereitungsteam des Handwerkerinnen-Treffens an. Sie ist mit einigen Berufskolleginnen schon ein paar Tage früher vor Ort, um im Rahmen einer „solidarischen Baustelle“ Projekte der Gastgeber ehrenamtlich zu unterstützen. Die Frauen des „Vortrupps“ haben in diesen Tagen den Anbau eines Wohnhauses abgerissen, dessen Fassade anschließend gedämmt werden soll, und erweitern die Kindertagesstätte durch einen kleineren Baukörper für die Haustechnik. Auf dem Hauptprogramm des Treffens stehen Vorträge, Berichte und Diskussionen.

So soll der Austausch fachlicher und persönlicher Erfahrungen die Handwerkerinnen ermutigen, eigene Initiativen zu ergreifen, eventuell auch auf dem Weg zu einem neuen Arbeitsplatz oder in Richtung Meisterprüfung.

Svenja Sorat

„Wir bieten einen Schiftkurs für Dachkonstruktion, praktische Workshops für Holzverarbeitung mit der Handkreissäge, einen Schweißkurs und eine Einführung in Kfz-Grundlagen an.“

In der Kommunikation über die Situation in männerdominierten Berufen könne man auch das Thema Diskriminierung nicht ausblenden, sagte Svenja Sorat. Frauen, die im Baugewerbe arbeiten, seien immer noch Ignoranz, anzüglichen Bemerkungen oder gar Mobbing ausgesetzt. Eine Exkursion wird die Teilnehmerinnen in das Hessische Ziegeleimuseum in Oberkaufungen führen.

Am Freitag, 21. Februar, tritt die Kabarettistin Sunna Huygen mit ihrem Programm „Politik & Poesie“ ab 20.30 Uhr im Tagungshaus der Kommune Niederkaufungen (Kirchweg 3) auf. Zu dieser Veranstaltung ausschließlich für Frauen sind auch Gäste gegen eine Spende willkommen.

Die Organisatoren werden von der Handwerkskammer Kassel, dem Ausbildungszentrum für Zimmerei in Kassel und den Firmen Steinwerkzeuge König (Karlsruhe), Picard-Werkzeuge (Wuppertal) und Peddinghaus-Handwerkzeuge (Schwelm) unterstützt.

Weitere Informationen zu dem Treffen der Bau-Handwerkerinnen in Niederkaufungen gibt es bei Svenja Sorat unter der Telefon  0157/ 70 32 34 90.

Von Hans-Peter Wohlgehagen

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