Anwohner befürchten vermehrte Unfälle

Zur Verkehrsberuhigung: Hindernis in Oberkaufungen sorgt für Diskussionen

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Umstritten: Autofahrer fürchten, dass der Steinkorb an der Straßenbahnbrücke in Oberkaufungen zu Unfällen führen wird. Der Gemeinde geht es darum, dass in der schmalen Straße langsamer gefahren wird.

Kaufungen. Die Gemeinde Kaufungen hat in der Straße „In der Rose“ eine Gabione zur Verkehrsberuhigung aufgestellt. Das sorgt für Kritik, denn Anwohner befürchten Unfälle.

Beim ersten Hinsehen könnte man meinen, der schwere Steinkorb wäre von einem Lastwagen gerutscht und mitten auf die Straße gefallen. Tatsächlich hat die Gemeinde Kaufungen den grauen Klotz an der Straßenbahnbrücke „In der Rose“ in Oberkaufungen platzieren lassen. Der Steinkorb laut Gemeinde soll der Verkehrsberuhigung dienen. Indem die abschüssige Straße verengt wird, sollen Autofahrer dazu bewegt werden, langsam zu fahren. Der Klotz kann jeweils nur von einem Auto passiert werden. Autos, die bergauf fahren, haben Vorrang.

Anwohner aus dem Wohngebiet unterhalb der DRK-Klinik fürchten indes, dass das Hindernis über kurz oder lang buchstäblich zum Stein des Anstoßes werden könnte.

Karte von Oberkaufungen mit Hindernis

Die Bedenken sind vielfältig. So fürchtet man, dass Autos bei Schnee und Eis, aber auch im Herbst auf nassem Laub ins Rutschen kommen und gegen den Steinkorb prallen könnten. Besonders gefährdet seien auch Radfahrer, die oft mit hohem Tempo unterwegs seien.

Bürgermeister Arnim Roß (SPD) verteidigt auf HNA-Anfrage die Platzierung der sogenannten Gabione. Seit Jahren hätten sich Anwohner der „Rose“, die teilweise beim Verlassen ihrer Häuser direkt auf der Straße stünden, über zu schnell fahrende Autos beklagt. Die Gemeinde habe daraufhin mehrere Möglichkeiten geprüft, um die Situation zu entschärfen.

Als Beispiele nannte Roß feste Blitzeranlagen, eine Einbahnstraßen-Regelung sowie die Beschränkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf zehn Kilometer pro Stunde. Die Vorschläge hätten sich jedoch allesamt als nicht umsetzbar oder nicht genehmigungsfähig erwiesen.

Der unlängst aufgestellte Steinkorb sei das Ergebnis eines Verkehrsberuhigungskonzepts, das die Firma Regio-Consult im Auftrag der Gemeinde erarbeitet habe. Das Unternehmen mit Sitz in Marburg berät die Gemeinde auch beim Thema A 44.

Die Bedenken der Anwohner, bei glatter Straße auf die Gabione („kostengünstige und mobile Lösung“) zu prallen, seien „verständlich und nachvollziehbar“, sagte Roß. Zum Schutz aller Verkehrsteilnehmer sollte an der Stelle angepasst gefahren werden, so der Appell des Bürgermeisters.

Die Entwicklung werde nun beobachtet. Unter anderem seien Radarmessungen vorgesehen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen laut Roß im Herbst dieses Jahres in einer Bürgerversammlung vorgestellt werden. 

Kommentar: Peter Ketteritzsch über den Steinkorb

Es werden noch Wetten angenommen: Wie lange wird es wohl dauern, bis der erste Autofahrer mit seinem Wagen in der „Rose“ gegen den Steinkorb kracht? Fakt ist: Mit der sogenannten Gabione hat sich die Gemeinde Kaufungen für eine äußerst riskante Form der Verkehrsberuhigung entschieden. Selbst wenn sich Autofahrer mit der Zeit auf den grauen Klotz einstellen sollten: Besonders bei Schnee, Eis und nassem Laub wird er auf der abschüssigen Pflasterstraße zu einem gefährlichen Hindernis.

Peter Ketteritzsch

Schlimmer noch als Autofahrer könnte es Radfahrer erwischen. Nicht auszudenken, wenn sie praktisch ungeschützt auf den Steinkorb prallen würden.

Wurde diese Gefahr bei der gutachterlich abgesicherten Entscheidung für das Hindernis nicht gesehen? Oder wurde sie einfach in Kauf genommen?

Seitens der Gemeinde will man die Situation nun bis zum Herbst beobachten. Das lässt darauf schließen, dass man im Kaufunger Rathaus selbst nicht ganz sicher ist, sich für die richtige Lösung entschieden zu haben.

Kontakt: ket@hna.de

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