Kaufungen: Regiotram-Expressstrecke rostet vor sich hin

Totes Gleis: Seit fast vier Jahren rollen keine Regiotram-Züge mehr über die Expressstrecke zwischen Ober- und Niederkaufungen. Daran wird sich wahrscheinlich auch nichts ändern. Der Ausbau der Strecke hatte 300 000 Euro gekostet.

Kaufungen. Dass hier seit Langem kein Zug mehr gefahren ist, sieht man auf den ersten Blick: Die Gleise sind verrostet, zwischen den Betonschwellen liegen Müll und abgerissene Äste.

Gerade einmal anderthalb Jahre, von der Jungfernfahrt nach Hess. Lichtenau im Januar 2006 bis zum Juli 2007, nutzten Regiotram-Züge die sogenannte Expressstrecke der Lossetalbahn zwischen Ober- und Niederkaufungen. Eigens für die neuen Schienenfahrzeuge war der Abschnitt in der Nähe des Naherholungsparks Steinertsee - einst Teil der Waldkappeler Bahn - komplett erneuert worden.

Einige der mit Dieselhybrid-Antrieb ausgestatteten Regiotram-Züge sollten quasi am Kaufunger Zentrum mit der Haltestelle an der Gesamtschule vorbeifahren und Passagiere so schneller von Hess. Lichtenau nach Kassel bringen. Rund 300.000 Euro investierte der Nordhessische Verkehrs-Verbund (NVV) seinerzeit in die Expressstrecke.

Am 8. Juli 2007 war Schluss. Damals rollte der letzte der geräumigen silberfarbenen Züge. Seither fährt im Lossetal nur noch die Straßenbahn. Sie kann die Expressstrecke allerdings nicht nutzen. Der Grund: Der Abschnitt ist nicht elektrifiziert.

Dass die einst viel befahrene Strecke jetzt brachliegt und vor sich hin rostet, hängt auch mit Veränderungen im benachbarten Werra-Meißner-Kreis zusammen. Seit die Bundeswehr aus Hess. Lichtenau abgezogen ist, rollen keine Militärzüge mehr durchs Lossetal. Und auch der Braunkohleabbau am Hirschberg bei Großalmerode wurde eingestellt. Kohletransporte gibt es demzufolge auch keine mehr.

Dass die Expressstrecke in absehbarer Zeit wiederbelebt wird, ist eher unwahrscheinlich. Zwar ist es das Ziel von Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG), Regionalbahn Kassel und NVV, die Fahrzeiten auf der Lossetalstrecke zu verkürzen. KVG-Chef Dr. Thorsten Ebert sieht die Expressstrecke in diesem Zusammenhang aber kritisch. Der Zeitgewinn zwischen Kassel und Hess. Lichtenau werde dadurch erkauft, dass in Kaufungen Haltestellen ausgelassen würden, die viele Fahrgäste nutzen, so Ebert.

Die Hoffnung mancher Fahrgäste auf die Rückkehr der bequemen Regiotram-Züge dämpft der KVG-Chef. Es habe sich gezeigt, dass diese Schienenfahrzeuge ihre Stärken besser auf den Strecken ausspielen können, auf denen sie jetzt verkehren.

Von Peter Ketteritzsch

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