Kaufungen ist seit Jahrzehnten eine

Wie Tölt ein Dorf eroberte: Kaufungen ist Hochburg der Islandpferde-Reiterei

Benefizritt: Viele Jahre ritten die Islandpferde-Reiter am Nikolaustag zum damaligen Krankenhaus Kind von Brabant in Kassel (im Bild rechts). Dort beschenkten sie kleine kranke Patienten. Heute ist in dem Gebäude die Kinderpsychiatrie untergebracht.

Kaufungen. Wenn Steffen Ahrens, Vorsitzender des Vereins Islandpferde-Reiter Kaufungen und erfolgreicher Turnierreiter, über die Pferderasse aus dem hohen Norden spricht, gerät er schnell ins Schwärmen: Die Pferde seien robust, vielseitig, pflegeleicht, gutmütig, aber wenn es darauf ankommt auch dynamisch und voller Temperament.

Und dann haben die meisten Tiere zwei Gänge mehr als andere Pferde: den Passgang und den Tölt. Letztere Gangart schont den Rücken des Reiters. Bei so viel Talent scheint es nicht verwunderlich, dass die Islandpferde Kaufungen sozusagen im Sturm erobert haben.

Der Verein der Islandpferde-Reiter Kaufungen (IPRK) ist seit Jahrzehnten ein Zentrum des Islandpferde-Reitsports. Um die 500 Pferde dieser Rasse gebe es in der Lossetalgemeinde, schätzt Ahrens.

Dabei hatte es anfangs gar nicht nach einem Islandpferde-Boom in Kaufungen ausgesehen. Doch der Zufall stand Pate: Ende der 1960er-Jahre sah der inzwischen verstorbene Kaufunger Tierarzt und spätere IPRK-Vorsitzende Dr. Günter Rösner zwei Gäste aus Wuppertal mit solchen Tieren durch das Dorf reiten und war sofort von den Pferden begeistert. Mit der befreundeten Familie Aey gründete Rösner eine Islandpferde-Gruppe innerhalb des Reit- und Fahrvereins Kaufungen.

Erinnerst du dich noch? Vera Rösner (vorn) und Roswitha Landefeld, langjährige Freizeitleiterin, schauen sich Bilder von Ausritten an.

Das blieb nicht ohne Konflikte. „Wir wurden belächelt“, erinnert sich die Witwe des Tierarztes, Vera Rösner. Das Reiten der relativ kleinwüchsigen Pferde schade dem Image des Vereins, habe es damals geheißen, sagt Rösner.

Die Islandpferde-Enthusiasten gründeten daher 1973 mit 16 Mitgliedern ihren eigenen Verein. Bundesweit war das ein Novum.

Trainiert wurde auf einer Wiese des Tierarztes Rösner, der zum Motor und zur Seele des Vereins wurde. Als Vereinsheim diente ein Bauwagen. „Das war gemütlich“, sagt Vera Rösner. Die Pferde übernachteten im Freien. Die Isländer-Rasse hat damit kein Problem. Der neue Verein erhielt schnell Zulauf, in seinen Hochzeiten hatte er 180 Mitglieder. Das lag wohl vor allem an dem attraktiven Freizeit- und Breitensportprogramm, das einen Hauch von Abenteuer versprach: Ausritte im Kaufunger Wald, in die Pfalz und die Vogesen, eine Reiterfreizeit auf der Insel Föhr.

Mehr als 20 Jahre gab es einen Schüler-Austausch mit isländischen Pferdefreunden. Seit den 90er-Jahren rückte dann der Leistungssport in den Blick.

Der Verein war mehrfach national und international erfolgreich, richtete zahlreiche deutsche und hessische Meisterschaften aus.

Fotos: 40 Jahre Islandpferde-Reiter in Kaufungen

40 Jahre Islandpferde-Reiter in Kaufungen

1979 bekam der Verein sein jetziges Reitgelände am Festplatz und baute selbst eine Halle. Heute zählen die Islandpferde-Reiter 150 Mitglieder, darunter 40 Kinder und Jugendliche.

Sportlich sei es mit dem Bau der Zubringerstraße zum geplanten Edeka-Markt über das Vereinsgelände wegen eingeschränkter Trainingsmöglichkeiten schwierig geworden, sagt Ahrens. Er hofft, dass die Gemeinde bald grünes Licht für ein Ersatzgelände gibt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.