Kaufunger Lokalhistoriker Winfried Wroz ist tot

Starb mit 70 Jahren: Winfried Wroz, hier im Sommer 2011 am Steinertsee in Kaufungen. Archivfoto: Schindler

Kaufungen. Im Nachhinein wirkt der Satz von Winfried Wroz im HNA-Interview zum 1000-jährigen Bestehen Kaufungens wie ein Vermächtnis. „Insgesamt hat das Dorf nur Zukunft, wenn die Menschen wieder mehr aufeinander zugehen und gemeinsam etwas entwickeln“, sagte er im August 2011. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist der weit über die Grenzen der Lossetalgemeinde bekannte Lokalhistoriker und frühere Museumsleiter vergangene Woche kurz vor seinem 71. Geburtstag gestorben. Auf Menschen zugehen und mit ihnen gemeinsam etwas auf die Beine stellen, das konnte Wroz selbst wie kaum ein anderer.

Dem gebürtigen Schlesier, der als Kind nach Nordhessen kam, kommt das Verdienst zu, den Kaufungern ihre Geschichte auf plastische und zugleich wissenschaftlich fundierte Weise nahegebracht zu haben. Wenn Wroz in dem alten Klassenzimmer des Regionalmuseums stand, dann nahm er junge und alte Besucher mit auf eine Zeitreise. Man spürte plötzlich, wie Schule damals war. Das war Geschichtsunterricht vom Feinsten.

Das Regionalmuseum Alte Schule war das Lebenswerk von Winfried Wroz. Ab 1983 baute er das Haus auf, das durch hervorragende Ausstellungen zu Kaiserin Kunigunde, zur Kindheit auf dem Lande und zu Kaufungen im Nationalsozialismus von sich reden machte. Zunächst ehrenamtlich tätig, leitete der bodenständige und im persönlichen Umgang herzliche Mann das Museum von 1997 bis zu seiner Pensionierung 2006 hauptamtlich. Wroz, der in Marburg Geografie, Geschichte und Politik studiert hatte, war auch ein fleißiger Publizist. Seine Schriften zu lokal- und regionalhistorischen Themen sind kaum zu zählen. Gesundheitlich bereits angeschlagen und inzwischen verwitwet, arbeitete der kinderlose Wroz zuletzt an der Chronik „1000 Jahre Kaufungen“ mit. Bis zu seinem Tod war er Vorsitzender des Museumsvereins und des Geschichtsvereins Kaufunger Wald. „Lokalgeschichte war sein Leben“, sagt sein Stellvertreter Albert Noll. Alt-Bürgermeister Gerhard Iske, der mit Wroz die Schulbank drückte, sagt über ihn: „Er hat in Zurückhaltung gearbeitet, aber äußerst gründlich und beharrlich intensiv geforscht.“

Die Trauerfeier für Winfried Wroz findet am Montag, 7. Mai, 14 Uhr, auf dem Friedhof Oberkaufungen statt.

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