140 Interessierte bei Auftakt dabei

Bürgerhaushalt: Gemeinde beteiligt Bevölkerung an Planung

Überraschend starkes Interesse: 140 Besucher kamen zur Auftaktveranstaltung des Bürgerhaushalts in Kaufungen. Bei einer kleinen Dienstleistungsmesse konnten sie sich vorher über die Aufgabenverteilung und das Angebot der Rathaus-Mannschaft informieren. Foto: Stier

Kaufungen. Haushalte sind mit ihrem Zahlensalat eine trockene, ziemlich schwere Kost. Dass die Kaufunger sich dieses spröde Mahl dennoch munden lassen wollen, zeigte der erste Bürgerhaushalt.

140 Besucher waren gekommen, darunter immerhin gut die Hälfte keine Kommunalpolitiker oder Verwaltungsmitarbeiter, sondern „normale“ Bürger. Zum Vergleich: Zum Bürgerhaushalt der Großstadt Kassel kamen gerade einmal 23 Interessierte.

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Dabei hatte Bürgermeister Arnim Roß keinen Anlass, ein strahlend schönes Bild der Kaufunger Finanzen zu malen. Einnahmen von 17,6 Millionen Euro stehen Ausgaben von 19,7 Millionen gegenüber. Macht erneut ein Defizit von 2,1 Millionen Euro bei weitgehend ausgeschöpftem Sparpotenzial. Roß: „Sparen geht nur, wenn Leistungen gekürzt oder gestrichen werden.“

Gleichwohl will der Verwaltungschef die Bevölkerung dafür gewinnen, sich bei der Etatplanung einzubringen: „Der Etat greift massiv in das Leben der Bürger ein und beeinflusst ihr Leben. Deshalb sollen sie auch mit diskutieren, wenn es ums Geld geht“, wünschte sich Roß.

Und das sollen nicht nur Lippenbekenntnisse bleiben: Die Anregungen und Kritik, die während des Treffens im Bürgerhaus auf Fragebögen niedergeschrieben wurden, sollen ausgewertet und in der nächsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses beraten werden.

Mittelfristig kann sich Roß vorstellen, auf der Internetseite der Gemeinde ein Forum zu eröffnen, auf dem alle Vorschläge machen und diskutieren können.

Dabei könnten auch unbequeme Themen aufs Tapet kommen, wie dies Gemeindevorstandsmitglied Lothar Rausch von der Grünen Linken Liste tat: Er regte eine Debatte über die Einführung von Anliegerbeiträgen in einer in Kaufungen seit Jahrzehnten fehlenden Straßenbeitragssatzung an. Wer sich beim ersten Bürgerhaushalt Appetit auf Mitbestimmung geholt hat, kann demnächst den Profis im Parlament zuhören: Die diskutieren das Zahlenwerk fürs laufende Jahr in ihrer Sitzung am Donnerstag, 3. Februar, ab 19 Uhr im Bürgerhaus. Dabei freilich hat der „normale“ Bürger kein Rederecht.

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