An der Landesgrenze

Wolf im Kaufunger Wald gesichtet

Schnappschuss: Dieser Wolf durchstreifte seit dem Jahr 2006 den Reinhardswald, 2011 wurde er dort tot aufgefunden. Nun wurde erstmals auch im Kaufunger Wald ein Wolf gesichtet. Einen Nachweis gibt es hier aber noch nicht. Archivfoto: nh

Kaufungen/Nieste. Im Kaufunger Wald ist erstmals ein Wolf gesichtet worden. Ein Jäger hat das geschützte Raubtier in dem weiten Forstgebiet an der hessisch-niedersächsichen Landesgrenze entdeckt und durchs Fernglas beobachtet. Eine Spurensuche.

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Es ist ein Herbsttag mittags um 13.29 Uhr, ein Jäger fährt mit seinem Geländewagen durch den Kaufunger Wald. In einem Waldstück mit Buchen erblickt er plötzlich einen Wolf. Das Tier steht in 80 Meter Entfernung ruhig oben am Hang. Als der Jäger sein Fahrzeug stoppt und aussteigt, setzt sich das stattliche Tier in Bewegung. „Ich konnte ihn noch 100 Meter lang durchs Fernglas beobachten“, sagt der Jäger im Gespräch mit der HNA; seinen Namen will er nicht in der Zeitung sehen. „Ich habe einfach Glück gehabt“, meint er. Schon seit drei, vier Jahren hätten Jägerkollegen immer wieder große Hundetatzen auf Großwildfährten entdeckt; diese Trittspuren sind typisch für den europäischen Wolf. Der Jäger suchte die Stelle auf, wo er den Wolf gesehen hatte und fand dort in einer Fährte von Rotwild starke Trittspuren. Wölfe stellen gern Rotwildkälbern nach, weil sie nicht so schnell sind.

Der Jäger informierte Hessen-Forst und den Wolfsbeauftragten Hartmut Kiene-Kroos der Hann. Mündener Jägerschaft. Der Wolfsbeauftragte nimmt die Sichtung ernst: „Ich halte es für wahrscheinlich, dass ein Wolf im Kaufunger Wald unterwegs ist“, sagte Kiene-Kroos, der selbst Jäger und Förster im Ruhestand ist.

Trittspuren eines Wolfs: Um das scheue Raubtier nachweisen zu können, braucht man laut Jäger Kiene-Kroos mindestens acht Abdrücke. Foto: privat / nh

Drei Tage nach der außergewöhnlichen Begegnung im Wald nahm er zusammen mit dem Jäger den Ort der Sichtung unter die Lupe. Allerdings ohne Erfolg. Man habe keine Trittsiegel mehr gefunden, so Kiene-Kroos, Regen und Laubfall hätten die Spuren vernichtet.

Auch Dipl.-Biologin Susanne Jokisch (Gießen), Wolfsbeauftragte für das Land Hessen, hat bisher „keine stichhaltigen Hinweise“ auf einen Wolf im Kaufunger Wald. Grundsätzlich hält aber auch sie sein Vorkommen hier für möglich – wie überall in Deutschland, die geschützten Raubtiere könnten heute überall aufkreuzen.

Der Nachweis eines Wolfs sei nicht einfach. Man brauche einen genetischen Nachweis oder ein Farbfoto des scheuen Tiers. Ein Schwarz-Weiß-Foto reiche nicht aus, weil in jüngster Zeit immer mehr Hunderassen gezüchtet werden, die möglichst wolfsähnlich aussehen: der tschechische Wolfshund etwa oder der Saaloos-Wolfshund. Hintergrund sei, „dass die Leute gern einen Wolf halten wollen“. Für einen genetischen Nachweis seien Tierhaare, Blut oder Kot geeignet, sagt die Wolfsexpertin, die eigens eine Intensivschulung in der Lausitz (Sachsen) absolviert hat. Dort lebt ein Dutzend Wolfspaare als Wildtiere, zehn von ihnen haben Junge. Nach zwei Jahren werden sie von den Eltern verstoßen und müssen sich allein durchschlagen. Dann verlassen sie die Region und suchen sich ein eigenes Revier.

Die Jäger in der Region hoffen nun auf einen schneereichen Winter. Denn dann ist der Wolf auch anhand seiner Trittspuren gut nachweisbar. „Man braucht mindestens acht Tritte“, sagt Jäger Kiene-Kroos, an dieser charakteristischen Spur könne man das Raubtier erkennen. Angst vor dem Raubtier muss niemand haben, sagen die Experten. „Ein Wolf hat Angst vor dem Menschen, er läuft davon“, sagt Kiene-Kroos. Wer einen Wolf gesichtet hat, solle das unverzüglich melden. Im Internet kann man dazu einen Meldebogen herunterladen unter www.hessen-forst.de

Von Holger Schindler

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