Altes Fachwerkgebäude im Ortskern von Wellerode wird abgerissen – Freifläche geplant

Aus für Keim’sches Haus

„Wasser marsch“: Mitarbeiter Christian Kubas von der Abbruchfirma Heinz Schnittger benetzt die Fachwerkfront des Keim’schen Hauses mit Wasser, um die Staubentwicklung zu verringern. Die Abrissarbeiten dauern noch bis Mittwoch an. Foto: Wohlgehagen

Söhrewald. Die Tage des Fachwerkhauses Keim im Ortskern von Wellerode sind jetzt endgültig gezählt: Das seit fast zehn Jahren leer stehende, baufällige Gebäude wird bis Mitte nächster Woche abgerissen.

„Wenn alles gut läuft, ist das Gelände bis Mittwoch geräumt“, sagte Polier Arne Lengemann vom Abbruchunternehmen Heinz Schnittger, der mit einem riesigen Bagger und Kollegen aus Baunatal-Rengershausen in Wellerode angerückt ist.

Das 48 Tonnen starke Ungetüm ist allerdings nur noch bis zum heutigen Freitagabend im Einsatz. So lange bleibt die Wattenbacher Straße von der Einmündung Fahrenbachstraße bis zur Straße „An der Kirche“ voll gesperrt. Der Verkehr wird umgeleitet.

Der Abriss der früheren Bäckerei lockt viele Schaulustige an. Vor allem Kinder staunen, wie das Obergeschoss immer wieder unter Wasser gesetzt wird, bevor die Abrissbirne herumschwenkt und zur Tat schreitet. Die Zugabe von Wasser sei erforderlich, um die Staubentwicklung zu mindern, sagt Arne Lengemann. Er lässt das Abbruchmaterial, vor allem viel Holz, mit Containern zur Verbrennung oder Wiederverwertung abfahren.

Bautechniker Stefan Weise vom Bauamt der Gemeinde Söhrewald hob das konstruktive Verhalten und die Geduld der Grundstücksnachbarn während der Bauarbeiten hervor.

Ortsbild im Auge behalten

Dem Abriss des Fachwerkhauses ging eine längere kommunalpolitische Diskussion voraus. 2008 hatte die FDP-Fraktion in der Gemeindevertretung vorgeschlagen, das Anwesen zu erwerben und das Gebäude zu sanieren. Nutzungsvorschläge wie die Einrichtung eines Jugendtreffs oder eines Internet-Cafés standen im Raum.

Schließlich erwarb die Gemeinde das Anwesen aus dem Familienbesitz im Rahmen der Dorferneuerung, entschloss sich aber, das inzwischen baufällige Gebäude im Interesse der innerörtlichen Freiflächenplanung abzureißen. Die Kosten für den Grundstückserwerb, den Abriss des Gebäudes und die Herstellung der Freifläche betragen 85 000 Euro.

„Es gab keine andere Lösung“, sagte auch Gerhard Werner über den Abriss des historischen Fachwerkhauses. Der Sprecher des Geschichtskreises Söhrewald mahnte während der Eröffnung der Ausstellung „Wellerode einst und heute“ aber gleichzeitig an, beim Schließen von Baulücken oder bei der Anlegung neuer Plätze und Wegeverbindungen das Ortsbild im Auge zu behalten.

Von Hans-Peter Wohlgehagen

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