Arbeiten für vier Millionen Euro

Fachfirma fand keine Bomben unter B7/83 - Sanierung zwischen Vellmar und Espenau beginnt

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Untersucht den Untergrund auf Kampfmittel: Feuerwerker Kai Lehmann mit einer Messsonde zum Aufspüren von Metall. Die Sonde wird in 2,50 m tiefe Bohrlöcher abgelassen, fünf pro vorher ermittelter Verdachtsfläche. 

Vellmar. Mit Vorsicht gehen Feuerwerker Kai Lehmann und seine beiden Kollegen einer Fachfirma für Munitionsbergung zu Werke. Das Trio untersucht ein markiertes Quadrat auf der abgesperrten Fahrspur B7/83 Richtung Kassel zwischen Vellmar und Espenau.

Auf fünf Kilometer Länge soll die Bundesstraße für rund vier Millionen Euro durch die Straßenbehörde Hessen Mobil saniert werden. Vor diesen Arbeiten wird der Bauabschnitt auf Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht. Bisher sei nichts gewesen, sagt Lehmann. Und das bei allein 50 Verdachtsfällen in diesem ersten Bauabschnitt der Straßensanierung. Der Feuerwerker geht davon aus, seine Arbeit am heutigen Mittwoch beenden zu können, wenn nichts dazwischenkommt.

Im Vorfeld hatten Messungen in Absprache mit dem Kampfmittelräumdienst des Landes Hessen an diesen 50 Stellen auf Metall im Boden hingewiesen. Im zweiten Schritt kam dann eine genauere Untersuchung. Dazu brachen Mitarbeiter der Straßenbaufirma Stutz aus Kirchheim zunächst auf zwei mal zwei Metern den Asphalt auf.

Hintergrund: Verdachtsfall im zweiten Abschnitt

Seit einem tragischen Unglück an der Autobahn 3 nahe Aschaffenburg 2006, als bei Fräsarbeiten ein Arbeiter durch die Explosion eines Blindgängers starb, werden vor Bauarbeiten öffentliche Flächen auf Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht. Dabei werden auch Luftbilder der Alliierten zu Rate gezogen. Danach könnte an der Abfahrt Vellmar-Mitte ein Blindgänger im Bereich des zweiten Bauabschnitts liegen. Dies soll im Vorfeld der Sanierungsarbeiten genau untersucht werden.

„Dieses Verfahren wurde inzwischen vereinfacht, um Zeit zu sparen“, sagt Polier Frank Siebert. Der Asphalt wurde nur noch punktuell aufgebohrt. Lehmann und Kollegen setzten an diesen fünf Bohrungen pro Verdachtsfeld an, vier an den Ecken und eine etwas versetzt von der Mitte, wo ein Kampfmittel vermutet wurde.

In jedes der 2,50 m tiefen Löcher schiebt der Feuerwerker ein PVC-Rohr, „damit das Bohrloch nicht zufällt und zum Schutz der Sonde“. Dieses Gerät lässt er in den Boden ab, es misst Abweichungen vom Erdmagnetfeld, die durch Eisen erfolgen würden.

Schon beim Herablassen kann der Experte erste Rückschlüsse auf das Material im Boden ziehen. Die Auswertung der Daten am Rechner gebe dann Gewissheit. Bei Metall ab der Größe eines Fünf-Liter-Kanisters werde das Verdachtsfeld vorsichtig geöffnet, sagt Lehmann. Dann könnte es sich um einen alten Sprengkörper handeln.

Dies war bislang nicht der Fall. Also füllten die Straßenbauer die aufgeschnittenen oder -gebohrten Verdachtsfelder wieder mit einer Tragschicht. Bis auf die letzten zehn Zentimeter, die sowieso abgefräst werden, erklärt Polier Siebert. Da die „gesperrte Fahrspur Richtung Espenau komplett frei von Kampfmitteln ist“, rücke jetzt die Fräsmaschine an, sagt Udo Giehler, Bauleiter der Firma Stutz. Ab Montag soll die gesperrte Fahrspur Richtung Kassel abgefräst werden. Mit den Asphaltarbeiten im ersten Bauabschnitt könne im Laufe der nächsten Woche begonnen werden. Ende Oktober sollen die fünf Kilometer komplett saniert sein.

Von Michael Schräer

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