200 Schülerinnen schauten sich an, was Azubis bei VW an der Werkbank tun

Keine Scheu vor Spänen

Jede Menge Späne: Günter Knippschild (rechts) zeigte Amy Partenheimer (von links) aus Emstal-Sand, Charlotte Reitz aus Fritzlar und Laura Bock aus Sand, wie eine Fräsmaschine funktioniert. Laura durfte auch mal ein Werkstück einspannen. Foto: Dilling

Baunatal. Martin Wussler vom Volkswagenwerk Baunatal zeigt, wie eine Fräsmaschine funktioniert. Die Späne fliegen, eine Schülerinnengruppe schaut durch ihre Schutzbrillen zu. Anna-Lena Rausch von der Erich-Kästner-Schule findet das spannend. Ob sie sich vorstellen könnte, später mal an so einer Maschine zu arbeiten? Die Zwölfjährige zuckt die Schultern. Das weiß sie nicht so recht.

Die Baunatalerin gehörte gestern beim Girls’ Day im Qualifizierungszentrum des Baunataler Volkswagenwerks zu den 200 Schülerinnen aus der nordhessischen Region, die an den Werkbänken schnupperten und den Umgang mit Technik ausprobierten, an allen Werkstandorten des Autobauers waren es 1500.

VW umwirbt die Mädchen beim Wettbewerb um die besten Talente für den gewerblich-technischen Nachwuchs. Das tut auch not. Denn nur jeder Fünfte der momentan 539 Azubis an den VW-Werkbänken ist eine Frau. Die Gießerei ist sogar eine reine Männerdomäne. Nächstes Jahr wolle man einen neuen Anlauf nehmen, dagegen etwas zu unternehmen, sagt Hermann Hartig von Volkswagen Coaching. Dabei habe man im Werk das Ziel, 30 Prozent weibliche Azubis im gewerblich-technischen Bereich zu haben.

Die Zurückhaltung der Mädchen ist auf den ersten Blick nicht verständlich. Denn in den technischen Berufen haben sie im Schnitt dreimal höhere Chancen, einen Platz im Werk zu ergattern. Es gebe noch zu viele Vorurteile unter den Jugendlichen und deren Eltern, meint Hartig. Längst sei die Arbeit für Mechatroniker oder Elektrotechniker nicht mehr mit hoher körperlicher Anstrengung verbunden. Dafür gebe es schließlich Maschinen und Hilfsmittel. Viele gingen von dem - falschen - Bild einer „harten Männerwelt“ im Volkswagenwerk aus, ergänzt Hartigs Kollege Hartmut Schaupeter.

Auch in weiteren Einrichtungen in Baunatal waren gestern Mädchen, teilweise auch Jungs, zu Gast. Auf die Arbeit im Rathaus, im Bauhof und bei den Stadtwerken blickten die Besucherinnen. Ebenso erkundigten sich Teilnehmerinnen in der Baunataler Diakonie Kassel. Einblicke gab es etwa in die Aufgaben der Seifenmanufaktur und der Verwaltung.

Acht Mädchen wurden zudem vom Deutschen Amateur Radio Club (DARC) am Baunsberg empfangen. Motto des Tages: „Von der Funkamateurin zur Ingenieurin“:

HINTERGRUND

Von Peter Dilling

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