Gemeindeparlament lehnt Übernahme des Hauses Posen und Erhalt des Museums Währungsreform 1948 ab

Währungsreform-Museum: Gemeinde Fuldatal hat keinen Euro für D-Mark übrig

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Braucht dringend Geld für das Museum: Leiter Bernd Niesel mit Kopien der ersten Geldscheine der D-Mark nach der Währungsreform am 20. Juni 1948 und einer der Kisten, in denen die Geldscheine aus den USA nach Deutschland transportiert wurden.

Fuldatal. Die Gemeinde Fuldatal wird das Museum Währungsreform 1948 nicht betreiben und das Haus Posen auf dem ehemaligen Kasernengelände in Rothwesten, in dessen Obergeschoss sich das Museum befindet, nicht von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) übernehmen.

Dies entschieden die Gemeindevertreter während ihrer Sitzung am Mittwochabend mit breiter Mehrheit.

SPD, CDU, Grüne und FWG stimmten dafür, das Museumsprojekt nicht weiter zu verfolgen. Lediglich die FDP votierte gegen eine entsprechende Vorlage der Verwaltung. „Wir werden weiter daran arbeiten, das Museum zu retten“, unterstrich FDP-Fraktionschef Klaus-Dieter Sänger. Den zuvor von Bürgermeisterin Anne Werderich dargelegten Sachstand nehme man mit Bedauern zur Kenntnis. Die Mehrheitsentscheidung erleichtere die Suche nach alternativen Lösungen nicht, meinte Sänger.

Ernüchternd fiel der Bericht der Bürgermeisterin aus. Sie hatte unter anderem noch einmal die Museumslandschaft Nordhessen, das Kasseler Stadtmuseum und den Vorstand der Deutschen Bundesbank um Unterstützung gebeten, damit das Museum für die Gemeinde kostenneutral erhalten werden kann. Hierzu hatte sie das Parlament im November beauftragt und eine Entscheidung zum Museum verschoben. Antworten habe die Gemeinde nicht erhalten, meinte Werderich.

Nach der Entscheidung „läuft das Museum noch bis Ende März unter unserem Namen“, betonte Werderich. Bis dahin überlässt die Bima der Gemeinde das denkmalgeschützte Haus Posen. Und so lange zahle auch die Gemeinde den Strom, fülle den Tank im Keller, damit die Toiletten mit Brauchwasser versorgt sind. Danach müsse das Haus geräumt werden, wenn sich keine Lösung, zum Beispiel über einen Verein, ergebe.

Das Museum aufzugeben, diese Entscheidung falle niemandem im Parlament leicht, betonte Heidrun Gottschalk (SPD). „Aber das Haus Posen ist für uns finanziell nicht tragbar.“ Seit Jahren schiebe man die Entscheidung vor sich her, sagte Thomas Ackermann (Grüne). Und: „Es war ein Sterben auf Raten. Aber irgendwann muss man die Realitäten erkennen.“ Es handele sich doch um ein Bundesmuseum, meinte Dieter Paul (CDU). Nicht das finanziell angeschlagene Fuldatal, sondern andere seien in der Pflicht, es fortzuführen. Auch für Klaus Kreb (FWG) „ist der Bund verantwortlich für das Haus“. Aber offenbar wolle niemand in Berlin oder auch Wiesbaden es haben. „Ende März muss Schluss sein“, betonte Kreb.

Wenn sich nicht noch eine private Initiative als Retterin des Museums Währungsreform 1948 findet. Die, so die Fraktionen und die Bürgermeisterin, werde man unterstützen.

Von Michael Schräer

Museumsleiter Bernd Niesel kämpft für Rettung der Einrichtung

Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Bernd Niesel, Leiter des Museums Währungsreform 1948. Mit 20 Personen, die Mehrzahl aus der Region, will er das Museum retten. Möglicherweise werde hierzu ein Verein gegründet, „nur wenn der keine finanzielle Grundlage hat, macht das keinen Sinn“. Daher prüfe man mithilfe des Regierungspräsidiums Kassel die Möglichkeit, eine Stiftung zu gründen, getragen durch einen Verein. Dieser könne dann Geld einwerben, um die laufenden Kosten des Museums zu decken. Dass sich die Gemeinde jetzt zurückziehe, mache es schwieriger, an Fördergelder zu kommen. Bislang hatte lediglich die Deutsche Bundesbank einmalig 25 000 Euro für die Sanierung des Hauses Posen überwiesen. Das Geld liegt auf einem Verwahrkonto der Gemeinde Fuldatal. Andere wie die Kasseler Bank, der Landkreis oder auch die Sparkassen-Kulturstiftung hatten Mittel zugesagt. Sollte es mit dem Museum weitergehen, hofft Niesel auf dieses Geld. Eine grundlegende Sanierung des Hauses Posen lässt sich damit nicht finanzieren. Eine Machbarkeitsstudie hatte hierfür die Summe von 350 000 Euro ermittelt. In solchen Dimensionen denkt Niesel nicht. Eine Heizung zu installieren, wäre ein erster sinnvoller Schritt, „Leitungen und Heizkörper sind vorhanden“. Und dann soll um weitere engagierte Bürger geworben werden, „um ein Stück deutscher Geschichte zu erhalten“, sagt Niesel. (mic)

Hintergrund: Alfons Kössinger schuf Museum

Im Haus Posen auf dem ehemaligen Kasernengelände in Rothwesten fand vom 21. April bis zum 8. Juni 1948 das Konklave statt. Unter strenger Geheimhaltung bereiteten deutsche Finanzexperten im Auftrag und unter Beteiligung der Alliierten die Währungsreform in den drei Westsektoren vor. Daher gilt Rothwesten als Wiege der D-Mark. Daran erinnert das Museum, das Alfons Kössinger 1992 mit einer kleinen Dauerausstellung begründete. Der pensionierte Polizeibeamte und einstige Jagdflieger forschte über die Historie der Fritz-Erler-Kaserne und stieß auf das Konklave. Die Geschichte der D-Mark beschäftigte ihn bis zu seinem Tod 2007. (mic)

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