Jugendamt des Landkreises Kassel ging im vergangenen Jahr 170 Hinweisen nach

50 Kinder rausgeholt

kreis kassel. Alle zwei Tage klingelt im Jugendamt des Landkreises Kassel das Telefon, um eine mögliche Verwahrlosung, Misshandlung oder gar den Missbrauch eines Kindes zu melden. Im vergangenen Jahr gingen beim Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) der Behörde 170 derartige Anrufe ein. Die Hinweise betrafen insgesamt 270 Kinder.

Wenngleich die Zahlen im Vergleich zum Jahr davor auch leicht rückläufig waren, sind sie nach wie vor erschreckend hoch. Das sieht auch Sabine Scherer, Leiterin des Jugendamtes beim Landkreis Kassel, so. Die Meldungen, die beim ASD auflaufen, beziehen sich sowohl auf geistige wie körperliche Misshandlungen an Kindern. Etwa 60 Prozent der Hinweise betreffen Mädchen und Jungen bis zum siebten Lebensjahr.

Allerdings mündet nicht jede Meldung darin, dass Kinder aus ihrem Familien herausgeholt werden müssen, um sie vor Schlimmerem zu bewahren, sagt Scherer. Im vergangenen Jahr mussten Mitarbeiter des ASD 30 Mädchen und Jungen in Pflegefamilien oder stationären Einrichtungen unterbringen. 20 Kinder kamen bei Verwandten oder Bekannten im sozialen Umfeld der Familie unter.

Spätestens seit der grauenhaften Tat an dem kleinen Kevin aus Bremen ist die Öffentlichkeit sensibilisiert. Dessen Stiefvater hatte den Zweijährigen zu Tode geprügelt, die Leiche in den Kühlschrank gelegt und den Behörden vorgemacht, das Kind lebe noch.

Derartige Fälle verunsichern aber auch, weiß Amtsleiterin Scherer. In der Folge gingen mehr Anrufe im Jugendamt ein, was sie jedoch keinesfalls als Kritik verstanden wissen will.

Mittlerweile kämen die Hinweise über Kindesmisshandlungen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Darunter seien Nachbarn ebenso wie Mitarbeiterinnen bei Kindertagesstätten oder Stromableser und Versicherungsvertreter.

Von Peter Kilian

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