Ehrenamt: Frauen der Johanneskirche kritisieren Altersgrenze

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Würden sich gern noch weiter im Kirchenvorstand engagieren: (von links) Jutta Bickel, Reinhild Ullmann und Edda Winterberg im Foyer des Gemeindezentrums der Johanneskirche Vellmar vor einem Holzschnitt des Abendmahls. Foto: Wewetzer

Vellmar. Edda Winterberg, Jutta Bickel und Reinhild Ullmann haben zwei Dinge gemeinsam: Sie sind 69 Jahre alt und arbeiten seit Jahren engagiert im Kirchenvorstand der Johanneskirche in Vellmar-West. Geht es nach einem Beschluss der Landessynode, ist für sie bald Schluss.

Winterberg, Bickel und Ullmann haben ein Problem: Ein Beschluss der Landessynode während des jüngsten Treffens in Hofgeismar besagt, dass Mitglieder eines Kirchenvorstands, die das 70. Lebensjahr erreicht haben, nicht mehr zur nächsten Wahl antreten dürfen. Ein Antrag, die Altersgrenze aufzuheben, wurde von den Synodalen abgelehnt. Gerade mal fünf Stimmen fehlten zur notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit.

Für Edda Winterberg, Jutta Bickel und Reinhild Ullmann bedeutet das: Sie dürfen - neben zwei weiteren Mitgliedern - zur nächsten Wahl des Kirchenvorstands der Johanneskirche im August 2013 nicht mehr antreten und müssen ausscheiden. Und dies, nachdem Ullmann und Bickel seit rund 20 Jahren in diesem Gremium sitzen und Winterberg immerhin schon elf Jahre.

Für das Trio ist die Abfuhr absolut unverständlich: „Wir empfinden das als Altersdiskriminierung“, beklagt sich Edda Winterberg. „Sind wir mit 70 zu dumm, um im Kirchenvorstand mitzuarbeiten, aber gut genug, praktische ehrenamtliche Arbeit zu leisten?“, fragt Reinhild Ullmann.

Mindestens 1500 Stunden ehrenamtlicher Arbeit kommen für jede der Frauen im Jahr zusammen, darunter Geburtstagsbesuche, die Organisation von Basaren, der Besuch der Sitzungen, das Erstellen und Verteilen des Gemeindebriefes und vieles mehr.

Kaum junge Leute

Für sie ist der inzwischen 45 Jahre alte Schluss-mit-70-Beschluss ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Damals wollte man die oft stark überalterten Kirchenvorstände verjüngen. Aber, argumentiert Winterberg: „Junge Leute rücken doch heute kaum noch nach.“

Der Altersdurchschnitt im Vorstand ihres Kirchenkreises bestätigt diese Einschätzung: Er liegt bei knapp 62 Jahren, in den übrigen Vellmarer Kirchenvorständen zwischen 52 und knapp 59 Jahren. Gäbe es Nachwuchs, würden die „jungen Alten“ ja gern ins zweite Glied zurücktreten. „Wir wollen ja niemandem den Platz wegnehmen“, beteuert Ullmann.

Aber das Trio befürchtet, dass mit Erreichen der Altersgrenze der Kirchenvorstand der Johanneskirche - zurzeit sind es zwölf Mitglieder inklusive Pfarrer - zusammenschmelzen könnte, weil Nachrücker fehlen und die Arbeit auf weniger Schultern verteilt werden müsste. „Wir kämpfen ja nicht für uns, sondern gegen diese Grundsatzentscheidung“, sagt Edda Winterberg.

Von Stefan Wewetzer

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