6000 Menschen besuchten die Kapelle am Autohof Lohfelden seit der Eröffnung im Jahr 2009

Kapelle am Autohof Lohfelden: Kirche ist 24 Stunden offen

Eine von 38 Autobahnkirchen: Die kleine Kapelle „Licht auf dem Weg“ steht am Autohof Lohfeldener Rüssel. Willi Stiel betreut sie gemeinsam mit einem Kreis aus 15 ehrenamtlichen Helfern. Foto: Habich

Lohfelden. Die Zahl der Besucher lässt sich am besten anhand der Teelichter abschätzen, die angezündet wurden. Etwa 2000 Stück waren es, seit die Autobahnkapelle auf dem Autohof Lohfeldener Rüssel im Jahr 2009 eröffnet wurde.

Ungefähr jeder Dritte zünde eine Kerze an, sagt Willi Stiel vom ökumenischen Betreuerkreis der Kapelle. Das würde bedeuten, dass 6000 Menschen den kleinen Raum seit seinem Bestehen aufgesucht haben. Doch genau weiß es keiner, denn Besucher einer Autobahnkapelle sind meistens allein. Ungefähr einmal die Woche schaut Stiel vorbei. „Das ist hier wie eine Art Selbstbedienungsladen“, sagt er. „Die meisten Menschen, die eine Autobahnkirche aufsuchen, wollen Stille und Ruhe und keinen Pfarrer, der sie anspricht“, sagt Günter Lehner. Er ist Geschäftsführer der Akademie Bruderhilfe Pax Familienfürsorge. Die Akademie lädt Deutschlands Autobahnpfarrer jedes Jahr zu einer gemeinsamen Konferenz ein. Diesmal treffen sie sich am Autohof Lohfelden und ziehen Bilanz ihrer Arbeit.

Willi Stiel zeigt seinen zur Tagung angereisten Kollegen die Kapelle mit dem Namen „Licht auf dem Weg“, die am Rande des Parkplatzes steht. Der Raum wirkt besonders still, weil auf einmal der Autobahnlärm ausgeblendet ist, nur ganz leise ist Musik zu hören. Links in der Ecke liegen Broschüren und Postkarten mit Bibelsprüchen aus, Kontaktadressen von Kirchen, das Heftchen „Gebete und Lieder für unterwegs“. Schräg gegenüber finden Besucher den beinahe wichtigsten Gegenstand: das Anliegenbuch. Dort kann sich jeder wie in einem Gäste- buch eintragen.

Menschen bitten darin um Gesundheit, um Hilfe für Angehörige und Freunde, um Beistand bei Prüfungen. Viele richten ihre Wünsche an Gott, einige, so scheint es, wollen sich einfach dem Buch anvertrauen. „In die Autobahnkirchen kommen auch Menschen, die sonst nicht zur Kirche gehen“, glaubt Günter Lehner.

In einigen Autobahnkirchen gibt es regelmäßig Veranstaltungen – Trauerfeiern für Unfallopfer, aber auch Biker-Gottesdienste und sogar Trauungen und Taufen. Die Kapelle in Lohfelden ist vor allem ein ruhiger kleiner Ort zur Einkehr, der jedem offen steht, rund um die Uhr. Willi Stiel hat den Betreuerkreis von 15 Personen gegründet, Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche und von Freikirchen kümmern sich gemeinsam um die Kapelle. Sie sehen ehrenamtlich nach ihrem Feierabend nach dem Rechten und legen neue Broschüren aus. Großveranstaltungen vermisst Willi Stiel nicht. „Das hier soll ein ruhiger Ort der Einkehr bleiben“, sagt er. „Es ist gut so, wie es ist.“ KOMMENTAR

Von Irene Habich

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