Haus Schulstraße: Gemeinde zahlt für Nutzungsrecht – Verkauf geplant

Kirche wird entschädigt

Mit Schadstoffen belastet: Die Gemeinde will das Haus verkaufen. Für die Hort-Nutzung war eine Außentreppe angebaut worden. Foto: Schräer

Fuldatal. Die Gemeinde Fuldatal zieht einen Schlussstrich unter den Streit mit der evangelischen Kirchengemeinde des Ortsteils. Mit deutlicher Mehrheit beschloss das Parlament während der Sitzung am Mittwochabend eine Vereinbarung zum Haus Schulstraße 1.

In einer zum Teil sehr emotional geführten Debatte lobte Stefanie Roß-Stabernack (SPD) den gefundenen Kompromiss und dass sich beide Seiten „nach langem Ringen“ aufeinander zubewegten. Jetzt würden klare Verhältnisse geschaffen, meinte Tore Florin (CDU). Die Kirche habe ein Recht auf Schadenersatz in Höhe von 90 000 Euro. Jede Summe, die die Kommune unterhalb dieses Betrages zahle, sei für sie ein Vorteil. Mit den beiderseitigen Beziehungen könne es jetzt nur besser werden.

Kritik an der Vereinbarung äußerte Klaus-Dieter Sänger (FDP). Auch wenn die Kirche von den Schadstoffen nichts gewusst habe, „hat sie uns eine Schrottimmobilie verkauft“. Da wäre es laut Sänger nur anständig gewesen, auf das Nutzungsrecht und den Schadenersatz zu verzichten.

So sah es auch Hartmut Kaldyk (SPD). Der Verzicht auf eine zusätzliche Summe „wäre christliches Verhalten gewesen“. Zumal erst dank der Gemeinde die Gefahr für Menschen durch die Schadstoffe im Haus deutlich wurde, in dem die Kirche zum Beispiel auch Kinderturnen angeboten hatte.

„Auch uns trifft in diesem Prozess eine Mitschuld“, meinte Thomas Ackermann (Grüne). Jetzt müsse wieder Frieden einkehren. Mitschuld deshalb, weil man mit dem Kauf „eine falsche Entscheidung getroffen habe“, sagte Frank Hellwig (CDU).

Hintergrund

Hauskauf und letzte Vereinbarung

Das 100 Jahre alte Gebäude hatte die Kommune Anfang 2010 von der Kirche gekauft, um darin dauerhaft den Kinderhort unterzubringen. Bei den Sanierungsarbeiten wurde allerdings eine hohe Schadstoffbelastung festgestellt. Seitdem steht das Haus leer.

50 000 Euro hatte die Kommune an die Kirche gezahlt, für den Gegenwert von 90 000 Euro bekam die Kirche ein Nutzungsrecht von Räumen über 35 Jahre. Dieses Recht wird jetzt durch die Zahlung von 55 000 Euro abgelöst. Anschließend soll das Haus in einem Bieterverfahren verkauft werden. Auf den Käufer kommen kalkulierte Sanierungskosten von 450 000 Euro zu. (mic)

Das sagt der Kirchenvorstand

Die Geschehnisse um das Haus Schulstraße 1 „ist eine lange und eigentlich traurige Geschichte“, sagt Dr. Dorothea Dorn, Vorsitzende des Kirchenvorstandes. „Uns war nicht bewusst, dass wir ein verseuchtes Haus verkauft haben.“ Nach den Vorgaben des Landeskirchenamtes als Aufsichtsbehörde habe die Kirchengemeinde in Ihringshausen nicht viel Spielraum bei ihren Verhandlungen mit der Kommune gehabt, betont Dorn. Auch brauche man neue Jugendräume, sei auf das jetzt vereinbarte Geld angewiesen.

„Wir wollten aber immer eine einvernehmliche Lösung, wir bestehen nicht auf unserem Recht.“ Über die jetzt getroffene Vereinbarung sei die Kirchengemeinde froh. „Auch wir sind Bewohner von Ihringshausen und wollen uns im Ort friedlich begegnen können“, betont die Vorstandsvorsitzende. (mic)

Von Michael Schräer

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