Gemeinde Lohfelden verkauft Richter-Hallen – Zentrum für erneuerbare Energien geplant

Kirchner kann mit Ja rechnen

Teilabriss möglich: Zwischen den Richter-Hallen und der Langen Straße in Lohfelden ist wenig Platz. Die Gemeinde will sich die Möglichkeit vorbehalten, den flachen Anbau (im Bild) abreißen zu lassen, um hier Parkplätze oder einfach mehr Raum zu schaffen. Foto: Schindler

Lohfelden. Die Gemeinde Lohfelden wird die Richter-Hallen an die Kirchner Solar Group GmbH (Alheim/Kreis Hersfeld-Rotenburg) verkaufen, um dort ein Zentrum für erneuerbare Energien entstehen zu lassen.

Die endgültige Entscheidung fällen die Gemeindevertreter zwar erst heute Abend (19.30 Uhr, Bürgerhaus), doch eine Vorentscheidung haben sie am Dienstagabend bereits in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses getroffen. Dort sprach sich die Mehrheit (sechs Ja-Stimmen der SPD) für den Verkauf des 30 000 Quadratmeter großen Geländes aus, die CDU (drei Stimmen) stimmte dagegen. Es ist davon auszugehen, dass das Parlament dem Votum des Ausschusses folgen wird.

Zuvor hatte es teilweise heftige Kritik von CDU und den Unabhängigen (U2L) gegeben. „Wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt und sollen das abnicken“, kritisierte Birgit Kaiser-Wirz (CDU). Die Gemeinde habe zugesagt, vor der Entscheidung eine Synopse (Überblick) über die beiden konkurrierenden Konzepte für die Richter-Hallen zu erstellen; das sei nicht geschehen.

SPD: Keine Zeit verlieren

Angesichts der verschlechterten Finanzlage Lohfeldens habe der Gemeindevorstand eine Güterabwägung vorgenommen, begründete Bürgermeister Michael Reuter (SPD) das Vorgehen. Das Alternativkonzept der Gründung einer Projektentwicklungsgesellschaft mit Beteiligung der Gemeinde sei „nicht mehr vertretbar“. Der Investor Kirchner Solar habe für die Gemeinde den Vorteil, dass Kirchner – Jahresumsatz 150 Mio. Euro – das Gelände „mit eigenen Mitteln“ entwickle. Man dürfe keine Zeit verlieren, fügte Eike Bornmann (SPD) hinzu, „wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“.

Der anvisierte Kaufpreis sorgte für großen Unmut bei der Opposition. Nach Informationen der HNA soll er bei 1,3 Millionen Euro liegen, die Gemeinde hatte das Richter-Areal 2007 für 1,9 Mio. Euro von der Quandt-Gruppe gekauft. „Der Preis ist der Knackpunkt“, meinte auch Pia Kirchner (U2L).

Die CDU könne dem Verkauf „absolut nicht“ zustimmen, sagte Rudolf Paul (CDU). Man befürchte, dass Kirchner nur an dem 10 000 Quadratmeter großen Hallendach interessiert sei, wo „eine gigantische Fotovoltaikanlage“ mit 500 kWp Leistung entstehen solle.

Der CDU-Mann präsentierte ein Gegenkonzept. Danach sollten die alten Produktionshallen abgerissen werden. Stattdessen könnte hier ein Mischgebiet mit günstigen Gewerbe- und Baugrundstücke entstehen. Auch ein Lebensmittelmarkt sei denkbar.

Laut Gemeindeverwaltung soll der Verkauf zum 1. Januar 2012 wirksam werden. Der jetzige Mieter, die Firma Alstom, werde Ende 2011 ausziehen.

Die Vereinbarung mit Kirchner sieht vor, dass der flache Hallenanbau entlang der Langen Straße im Besitz der Gemeinde bleibt. Auf dem 6,50 Meter breiten Streifen könnten die beengte Straßensituation entschärft und Parkplätze entstehen. Einen Abriss des Anbaus müsste Kirchner bezahlen, die Entsorgung eventueller Altlasten im Boden müsste die Gemeinde tragen.

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Von Holger Schindler

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