Evangelische Kirche hatte angefragt

Parlament lehnt Übernahme durch freie Träger ab - Kitas bleiben bei der Gemeinde

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Protest vor der Sitzung: Zahlreiche Erzieherinnen aus Niestetal machten den Abgeordneten mit Sprechchören und auf Transparenten deutlich, dass sie keine freien Kita-Träger wollen.

Niestetal. Das hat es in der Geschichte des Niestetaler Parlaments noch nicht gegeben: Rund 40 Erzieherinnen der vier gemeindeeigenen Kindergärten machten am Donnerstagabend vor dem Rathaus Front gegen die zur Diskussion stehende Übernahme einer der Kitas durch einen freien Träger. „Freie Träger geht nach Haus‘, wir rücken keine Kita raus“, skandierten die Frauen.

Die Gemeindevertreter konnten sie dabei nicht überhören und übersehen: Die Abgeordneten mussten sich ihren Weg durch die Demonstrantinnen bahnen. Und diese konnten - obwohl ihnen Gemeindevertretervorsitzender Volker Hammermüller (SPD) Beifalls- und Missfallensäußerungen im Sitzungssaal ausdrücklich untersagt hatte - wenig später jubeln. Mit den Stimmen der SPD-Mehrheitsfraktion beschloss das Parlament, dass die Gemeinde ihre Kindergärten behält. Die überwältigende Mehrheit der CDU-Abgeordneten enthielt sich der Stimme.

Ausgangspunkt des turbulenten Abends war ein Schreiben der Evangelischen Kirchengemeinde vom Juli dieses Jahres. Darin hatte diese ihr Interesse an der Übernahme des neuen Kindergartens Am Eichberg bekundet, der Ende 2013 eröffnet werden soll.

Den Erzieherinnen schmeckte die Offerte allerdings gar nicht. „Wir fürchten um unsere Arbeitsplätze“, sagte Gabriela Lorenz, Leiterin der Kita Am Park in Heiligenrode, gegenüber der HNA. Sie und ihre Kolleginnen können nun erst einmal beruhigt sein.

Ganz vom Tisch ist das Thema freie Träger allerdings nicht. Denn um vorerst Ruhe zu haben, hat Bürgermeister Andreas Siebert (SPD) den freien Trägern ein Angebot unterbreitet, das auch Teil des am Donnerstag gefassten Beschlusses ist. Es sei absehbar, dass schon bald nach der Eröffnung der Kita Am Eichberg eine weitere Betreuungseinrichtung her müsse. Diese sechste Kita könne an freien Träger gehen.

Die Evangelische Kirchengemeinde wird mit einiger Wahrscheinlichkeit also doch noch zum Zug kommen - wenn auch später als gewünscht. Die CDU hatte dafür plädiert, einen der bestehenden vier Kindergärten direkt an die Evangelische Kirchengemeinde abzugeben. „Wir sollten uns der von den Eltern gewünschten Vielfalt auch bei den Kitas anschließen“, appellierte Fraktionschef Erich Schaumburg an seine Abgeordnetenkollegen.

Auch die Grünen sind für mehr Vielfalt, hielten es aber für falsch, eine der Kitas direkt an die Evangelische Kirchengemeinde zu geben. Sie verlangten stattdessen, die Trägerschaft beschränkt auszuschreiben.

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