Betreiber fürchten hohe Kosten

Klärschlamm wird zum Problem im Landkreis Kassel 

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Landwirtschaftliche Klärschlammentsorgung wird teurer: Neben einer Verkürzung der Aufbringungszeit gibt die Verordnung auch eine geringere Aufbringungsmenge vor. 

Kreis Kassel. Die Betreiber von Kläranlagen im Kreis Kassel stehen vor einem Problem: Wie können sie künftig ihren Klärschlamm möglichst kostengünstig entsorgen?

Die Frage ergibt sich aus der am 3. Oktober in Kraft getretenen neuen deutschen Klärschlammverodnung. Diese gibt unter anderem vor, welche neuen Grenzwerte im Schlamm eingehalten werden müssen, damit dieser landwirtschaftlich und im Einklang mit der erneuerten Düngemittelverodnung als Dünger verwertet werden darf.

„Die landwirtschaftliche Entsorgung hat sich für uns bereits jetzt dramatisch verteuert“, sagt Anja Scherff, Technische Angestellte bei der Gemeinde Fuldatal im Bereich Wasser. So habe die von der Gemeinde für die landwirtschaftliche Entsorgung beauftragte Firma Delta-Kompost die Preise bereits seit der Erneuerung der Düngemittelverodnung im Juni deutlich erhöht. Die Gemeinde Fuldatal betreibt die Kläranlagen in Ihringshausen, Simmershausen und Wilhelmshausen.

Die Gründe für die aufkommenden Mehrkosten bei der Klärschlammverodnung sind vielfältig, berichtet Johann Steiner, der Leiter der Kläranlage des Verbands für Abwasserbeseitigung und Hochwasserschutz Baunatal/Schauenburg. Die Betreiber der Kläranlage entsorgen ihren Schlamm selbst landwirtschaftlich und werden das auch künftig dürfen (s. Hintergrund).

Trotzdem werden die Kosten auch im Falle der Kläranlage in Kirchbauna steigen, sagt Steiner. So müssten aufgrund der neuen Richtlinien der Verordnung mehr Proben genommen und zusätzliche Analysen durchgeführt werden. Auch verringere sich durch die Novelle die Aufbringungsmenge, also die Menge an Klärschlamm, die pro Hektar Boden entsorgt werden darf. Die Folge: Es müssten mehr landwirtschaftliche Flächen für die Aufbringung genutzt werden.

„Dadurch wird natürlich auch der Verwaltungsaufwand höher“, sagt Steiner. Und: Die Verodnung schränke zudem die Aufbringungszeit ein, was heißt, dass weniger Zeit im Jahr bleibt, um die gleichen Mengen an Schlamm landwirtschaftlich zu verwerten. Dies würde zwangsläufig dazu führen, dass mehr Schlamm zwischengelagert werden muss.

Derzeit befinde man sich in Verhandlungen hinsichtlich alternativer Entsorgungsarten, sagt Steiner. So soll eruiert werden, ob beispielsweise Verbrennung oder Kompostierung günstiger sind, als die durch den Mehraufwand verteuerte landwirtschaftliche Entsorgung.

Proben entscheiden

Auch Thomas Siemon, Technischer Leiter der Kläranlage in Eiterhagen, hält es für möglich, dass die neuen Vorschriften bezüglich bestimmter Werte, etwa der im Schlamm enthaltener Schwermetalle, die Entsorgungskosten künftig in die Höhe treiben.

In Eiterhagen wird der Klärschlamm in sogenannten Vererdungsbeeten gesammelt, wo er von Schilfpflanzen entwässert wird. Das getrocknete Material wird dann von externen Betrieben landwirtschaftlich verwertet. Ob dies im gewohnten Rahmen auch weiterhin möglich sein wird, werden kommende Schlammproben zeigen, sagt Siemon.

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